Frauen Gleichberechtigung und freie Software

wall < "Frauen, Gleichberechtigung und freie Software"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Mo Nov 15 18:01:35 2010):
4
Diesen Beitrag schrieb ich vor 8 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Man sieht uns sogar im Video — wir sind die beiden mit den ungläubigen Gesichtern und den müden Augen.

Drei Schlagworte, die in etwa so gut zusammenpassen wie »Fernseher, Schäferhunde und Kondome mit Kirschgeschmack« — ich erkenne den Zusammenhang nicht direkt, bin jedoch willens, mich eines Besseren belehren zu lassen, weshalb ich mir auf den 10. Chemnitzer Linux-Tagen zusammen mit Yannic auch den gleichnamigen Vortrag zu Gemüte führte. Und um es vorweg zu nehmen: den Zusammenhang kann ich bis heute nicht erkennen.

Frauen in der IT stellen sich, so Leena Simon, »ein Stück weit gegen den Mainstream« — was Probleme mit sich bringen kann, sowohl für die Frau als solche als auch für ihre (männlichen) Kollegen; ein durchaus valides Argument, betrachtet man es von einer Seite, und doch ist mir diese Sicht etwas zu einseitig: auch eine Kranführerin stellt sich in gewisser Weise gegen den Mainstream, und ein Kindergärtner tut dies in aller Regel ebenso. Naja, und selbst wenn das so ist — ist doch nicht schlimm, oder? Oder?

Oh doch. Mädels, ich weissss ja nicht, wie es Euch geht — aber mir geht dieses Feministinnen-Gebrabbel ganz schön auf die Eierstöcke

Vermutlich schaufle ich, indem ich das öffentlich zugebe, gerade mein eigenes Grab.

Was soll der Quatsch mit den Frauenquoten — »bei gleicher Qualifikation […] bevorzugt eingestellt« ist doch ein Gummiparagraph! Oder umgekehrt: plötzlich sitzt eine (nicht dafür qualifizierte) Frau auf einem Posten, weil dem Arbeitgeber bei Einstellung eines männlichen Bewerbers Sanktionen gedroht hätten? Ich sehe auch keinen Sinn darin, Mädchen schon im Schulalter mental in Richtung Mathematik- oder Informatikstudium zu scheuchen — lasst doch die Mädels Kindergärtnerinnen werden, wenn sie das gerne möchten, Krankenschwestern oder Germanistinnen! Es ist ja schön, dass vorangegangene Generationen den Weg freigekämpft haben; so dass zum Beispiel ein Studium auch für den Teil der Bevölkerung, der durch Abwesenheit eines Penis glänzt, keinen unerreichbaren Stern mehr darstellt — aber darf das Mädel nur deshalb nicht mehr Köchin werden, selbst wenn es ihren Fähigkeiten, ihren Vorlieben, ihren Interessen am ehesten entspricht? Man sollte eine Frau nicht erstaunt anstarren, weil sie auf die Frage »Was machst du eigentlich beruflich?« selbstbewusst antwortet »Ich bin LKW-Fahrerin für zeitkritische Gefahrguttransporte.«. Man sollte sich mit ihr freuen — wenn ihr der Job Spass macht und es das ist, was sie tun möchte. Das selbe gilt aber auch für die Frau, die als überzeugte Diplom-Aroma-Therapeutin oder Pudelfriseuse ihr Einkommen ‚ranschaufelt.

Leben und leben lassen.

Ich darf das sagen: denn ich arbeite in einem Berufsfeld, das man nicht unbedingt als »frauendominiert« bezeichnen kann. Und auch wenn das eine Frauenbeauftragte in einer spontanen Diskussion zum Thema offensichtlich irgendwie enttäuschte: es geht mir sogar ganz gut dabei. Ich kann damit leben, überwiegend mit Menschen der Penisträger-Fraktion zu tun zu haben, das bringt der Job halt so mit sich. Ich kann auch damit leben, dass »[…] viele Programme nach männlichen Massstäben oder Bedürfnissen orientiert.« sind — denn ich habe bis heute nicht verstanden, was damit eigentlich gemeint ist. Auch die eingehende Überprüfung der openLDAP-Sourcen brachte mich vorerst nicht weiter — aber ich bleibe dran!

Womit ich nicht leben kann ist, wenn man versucht mir einzureden, wie unzufrieden und unterdrückt ich mich doch eigentlich fühlen müsste.
Sollte.
Und würde.

Wenn ich eine richtige Frau wäre.

4
  1. fuchsto

    Oh mein Gott, danke. Ich darf sowas leider nicht laut sagen, weil Penis vorhanden. Manchmal denke ich mir nur wie entnervt ich wäre, würde mir allüberall eingeredet werden, dass ich als moderner Mann Soziale Arbeit et. al studieren muss.
    Aber das kommt noch, auf „Boys‘ Days“ passiert ja im Grunde genau das.
    Nebenbei bin ich für eine Homosexuellen-Quote beim Bauingenieurswesen. Da gibt’s noch viel zu tun.

  2. Mein Studium war klassisch weiblich, mein Beruf ist es auch – wenn auch in einem anderen Bereich. Und trotzdem FÜHLE ich mich nicht im schubladentechnischen Sinne weiblich, horte keine Schuhe, Schals, Taschen oder Tonnen Make-up. Who cares? ;-)

  3. Gleichberechtigung heisst, dass jede(r) alles darf, nicht, dass überall die Verteilung m/w 50/50 ist. Danke, dass du das mal ansprichst… mag ja sein, dass Frauen teilweise schlechter bezahlt werden als Männer in gleichen Berufen. Aber ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte (ganz nach meiner Lieblingsthese, dass zuviele Reglementierungen eher einen negativen Effekt bringen), dass das teilweise daran liegt, dass Frauen eingestellt werden mussten, obwohl besser qualifizierte Männer da gewesen wären. Kann ja vorkommen. Denn Gleichberechtigung heisst eben, dass jetzt alle ran dürfen – nicht, dass die, die früher nicht durften, jetzt bevorzugt werden. Jedenfalls wäre das nicht sinnvoll…

  4. Hey,

    danke fuer diesen Eintrag!
    Da ich ja auch noch einen machen wollte, hab ich gerade einen geschrieben: Hier :).
    Ich hoffe, ich hab alles wichtige erwaehnt ;)

    Gruss, Yannic

  5. dann herzlichen willkommen in der Testostero-getriebenen (leider?) Welt der IT.
    Zu 4: da hast Du Dich leider vertan, wenn man die *emacs* -Sourcen rueckwaerts liest, finden sich die gewuenschten Hinweise.

Keine weitere Reaktionen mehr möglich.