Sex And The City

wall < "Määädchens"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Sa Jun 25 18:24:13 2011):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 7 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Ich hatte auch mal eine.

Manchmal übernachtete ich bei ihr, oder wir gingen ins Kino, mal ein Eis futtern. Wir spielten Karten, kicherten und sprachen über all unsere Probleme — ob körperliche, ob seelische, es gab nahezu keine Geheimnisse. »Geniesse die Zeit«, sagte mir ein Kirchenmann, »niemals wirst Du mehr Kontakte haben als jetzt.« »Witzbold«, dachte ich — es waren die drei, vier Jahre rund ums Abi. Wie sich herausstellte, sollte er recht behalten.

Sex And The CityDie Freundschaften zerbrachen — zumeist, weil wir das Prinzip »leben und leben lassen« nicht verinnerlicht hatten. Mehr und mehr gerieten wir uns in die Haare — wegen unterschiedlicher Lebensauffassungen, religiöser Ansichten, Kleinigkeiten. Ihr Hang zu mittelalterlicher Musik wurde genauso zum Problem wie meiner zur Informatik, ihre ständig wechselnden Männer erschwerten unsere Beziehung wie meine unregelmässigen Arbeitszeiten, ihr Hang zum Alkohol führte zum Bruch wie meine verletzten Gefühle, da ich als ihre beste Freundin von ihrer Hochzeit erst danach erfuhr. »Nicht traurig sein«, so trösteten andere, »dann war sie’s nicht wert«. Recht hatten sie, allein war ich trotzdem.

Und bin es seither, denn eine beste Freundin gab es in meinem Leben nicht wieder. Beruflich habe ich nahezu ausschliesslich mit Männern zu tun, und zumeist ist mir das mehr als recht. Denn einerseits empfinde ich den überwiegenden Teil der Frauen in meinem Bekanntenkreis oft genug als anstrengend — das Getuschel, das Getratsche, schnell beleidigt, umständlich, oft auf Äusserlichkeiten bedacht und immer alles besser wissend. Andererseits gibt es aber Momente, da würde ich mir eine wünschen; so eine, mit der ich Pralinen essend einen schnulzigen Liebesfilm schauen kann, so eine, mit der ich kichern und lästern kann, eine, die zur Shopping-Tour in die Stadt kommt und die trotzdem nicht jeden an mich gerichteten Satz mit »Du musst…« beginnt. So eine, deren Leben sich nicht ausschliesslich um ihren Mann dreht, eine, die eigene Interessen verfolgt und als Gesprächspartner qualifiziert. Eine, die einfach kompatibel zu mir ist.

Ich hab da ja jemanden kennengelernt; sie ist wirklich lieb, sie ist clever, und mit ihr kann ich mich unterhalten und mit ihr lachen — ich bin ein kleines bisschen verliebt.

Und während ich diesen Artikel schrieb, erhielt ich, völlig unverhofft, eine Mail von einer, von der ich seit Jahren nichts hörte — einfach so. Es besteht also vielleicht doch noch Hoffnung für mich.

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  1. Sehr schoen formuliert. Ich kann das glaube ich gut mitfuehlen, weil ich als maennlicher geek irgendwie in einer von Frauen dominierten sozialen Domaene gelandet bin. Das ist glaube ich ein Problem, dass viele haben, weil der geek an sich halt eher zu sozialem Rueckzug neigt. Da ist es oft schwer Freundschaften aufrecht zu erhalten. Wenn man aber nicht gerade schizoid ist, dann kommt irgendwann doch ein Gefuehl von Einsamkeit. Faehigkeit zur Freundschaft ist auch wie ein Muskel, den man traineiren muss. Der Dilbert von gestern passt doch gut: http://www.dilbert.com/2011-06-26/

    Je aelter wir werden, desto inkompatibler werden wir. Wir passen uns weniger an und wissen staerker, was wir selber wollen. Irgendwann lernen wir niemanden mehr zufaellig kennen, sondern landen bei Kontaktanzeigen, in denen wir genau spezifizieren koennen, was fuer eine Art von Mensch wir suchen. 20 Jahre nach der Schule wollen wir schon gar nicht mehr zum Klassentreffen, weil all die Freunde von damals gar nicht mehr zum eigenen Leben passen. Da faellt auf einmal auf, dass der beste Freund von damals nun eine Frau, drei Kinder, Hund, Haus und SUV hat und jeden Samstag Fussball spielt. Man hat sich „auseinander entwickelt“. Da mag jetzt mal jeder fuer sich entscheiden, ob das ein Fortschritt ist…

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