Ein aufregendes Jahr liegt hinter mir; ein (hoffentlich!) Entspannung bringender Urlaub liegt vor mir: Zeit für ein kleines Resumée.

Ich hab’s geschafft: das Buch ist final im Lektorat. Irgendwie schreit das für mich nach einem Artikel, nach einem Strich drunter und einem Danke euch!. Unter dem Hashtag #unixeschreibt habt ihr den Fortgang ja auch ein wenig beobachten können…

Überhaupt: Twitter!

Tatsächlich glaube ich ja, ohne Twitter wäre ich ein traurigerer Mensch gewesen: Twitter als Aufmunterung, als Ventil, überhaupt. Denn wie sich herausstellte, zeigt mein Online-Clan eher ernsthaftes Interesse an meinem Tun, als das in real life der Fall zu sein scheint… Es kommt nicht gut an, wenn du glücklich erzählst „Stell dir vor, ich schreibe ein Buch!“ – die meisten Leute haben entweder selbst schon eines geschrieben (bedauerlicherweise kam es nicht zur Veröffentlichung, dann war der Verlag dran schuld), kennen jemanden, der eines geschrieben hat (und der hat das echt bedauert und würde es nie wieder tun) oder sie finden es einfach generell sonstwie dämlich („Ich hab ja noch nie kapiert, was du da eigentlich machst… aber wenn du meinst?“). Ich feiere alle hart, die anders drauf sind.

Der Prozess

Die Schreiberei hatte für mich insgesamt nicht so übermäßig viel mit dem Bild zu tun, das man sich gerne davon macht: es war mir beispielsweise nicht vergönnt, auf der Terrasse eines romantischen Holzhäuschens zu sitzen und den Blick zusammen mit meinen Gedanken nachdenklich über eine romantische Berglandschaft wandern zu lassen. Auch machte ich keinen stundenlangen Spaziergänge in einem bilderbuchschönen Luftkurort voller Ruhe, Rentner, karierter Tischdecken und Hausmannskost.

Die Realität war deutlich ernüchternder: ich verschanzte mich in meiner kleinen chaotischen Schreibecke, die über die Zeit immer mehr verwahrloste und gönnte mir keinerlei Pausen in meinem sehr strengen Arbeitsablauf – weil ich befürchtete, dass ich dann überhaupt nicht mehr reinfinden würde. Dabei übertönte ich das Geschrei und Gerumpel der Nachbarn mit überwiegend klassischer Musik und NC-Kopfhörern. Wenn ich ausnahmsweise einmal einen Film schaute oder in einem Buch las, dann immer solche, die ich schon x-mal gesehen oder gelesen hatte, denn mein Kopf hatte keine Kapazitäten, dahingehend Neues aufzunehmen – diese Kapazitäten wurden komplett von einer ELK-Komplettinstallation und dem Daily Business im Büro geschluckt.

Immerhin: ich entdeckte grünen Tee für mich, literweise – regelmäßig überfiel ich meinen Lieblings-Tee-Dealer und testete (aktuell bin ich bei einem Sencha mit Nana-Minze und Himbeeren gelandet). Zugleich verweigerte mein Körper aber leider jegliche Form sinnvoller, gesunder und wohltuender Nahrung – sobald ich schrieb, war jede Zelle auf ZUCKER programmiert. Wie kommt das bloß? Ich war drauf wie das Krümelmonster, und auch vor dem Hintergrund ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass diese Phase nun zu Ende geht 😇

Unter der Woche begann ich mit dem Schreiben, nachdem die Kinder eingeschlafen waren – ihr üblicher Tagesablauf sollte sich nicht ändern, nur an den Wochenenden saß ich länger und immer länger am Rechner. Abends war ich manchmal ganz steif von der Sitzerei, die Sehnenscheiden in beiden Armen streikten bis hinauf zu den Ellbogen und ich schob schlechtes Gewissen, weil ich meiner Meinung nach zu wenig Zeit für meine kleinen Granaten hatte.

Der Wendepunkt

Wendepunkt war für mich einerseits, als ich die 300-Seiten-Marke überschritten hatte – das Gefühl „jetzt hast du mehr als die Hälfte, da muss der Rest doch auch irgendwie zu schaffen sein!“. Und etwa zu diesem Zeitpunkt schnappte ich ein Gespräch zwischen meiner Tochter und ihrer kleinen Freundin auf – K1 prahlte stolz „Meine Mama schreibt nämlich ein Buch!“ – „Ein ganzes? Ein großes? So eins, das man dann auch im Laden kaufen kann?“ – „Na klar!“ Und beide Mädels so: 😱🎉 Also doch mehr als nur Mama-auf-dem-Karrieretrip – und das schlechte Gewissen unnötig? Ich band die Kinder stärker in den Prozess ein, erklärte mehr was mich umtrieb und warum die Wochenenden so laufen mussten wie sie liefen – und war unendlich gerührt, wie beide damit umgingen. „Wie viele Seiten noch?“ pflegte K1 am Frühstückstisch zu fragen, und K2 johlte „Wenn wir in Urlaub fahren: dann bist du fertig!.

Fertig.

Das war so ein gedanklicher Endpunkt für mich: wenn das Buch erst ins Lektorat ginge, dann wäre ich quasi fertig. Dann würde ich es mir gönnen, mal richtige Fotos von mir machen zu lassen; nicht welche mit den Kindern und auch nicht in der Firma, sondern richtige, echte Portraitaufnahmen – denn Bilder gibt es von mir so gut wie keine. Die Sache lag in unendlich weiter Ferne für mich, und erst als ich den Termin beim Fotografen vereinbarte dämmerte es mir:

Das war’s. Fertig.
Klar, ein paar Fragen hier, ein paar Rückmeldungen da. Aber grundsätzlich: fertig.
751.966 Zeichen – fertig.
100.146 Worte – fertig.

Und dann…?

Ich hatte erwartet, dass ich ausflippen würde, wäre dieser Punkt erst erreicht, ausflippen vor Freude natürlich: G&T schlürfend, die Beine ausstreckend, ziemlich erleichtert und selbstzufrieden. Jedoch: nicht, wie K2 immer so schön sagt. Statt in überbordende Freude verfiel ich eher in völlige Lethargie, starrte Wände an, verpeilte Wochentage und Datumsangaben, suchte mein Auto auf falschen Parkdecks (und einmal sogar im falschen Parkhaus), vertauschte Konsolen, vergaß Termine – unangenehm, peinlich, nervig.

Werden zwei Wochen ausreichen, dieses Tief zu überwinden? Es fällt mir schwer, das zu glauben – ich hoffe aber mal ganz naiv das beste, denn was wäre schließlich die Alternative? ;) Nun warte ich auf Rückmeldung aus dem Lektorat und bin gespannt, wie das alles weitergeht…

Unterschrift
:wq!