Sonnenblume Herbst
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Wenn der Vorhang fällt

Ihre Augen füllen sich mit Tränen.

Dieser Beitrag schrieb ich vor 3 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Sie starrt ungläubig, während die Tränen zusammenfließen, sich sammeln. Der erste Tropfen benetzt die feinen, dunklen Wimpern, verharrt; doch mit dem nächsten Atemzug gibt es kein Halten mehr, eine glitzernde Spur hinterlassend rollt die Träne, herab vom tieftraurigen Auge, vorbei an der stupsigen Nase, dem verzerrten Mündchen, über die pralle Wange. Tropf. Tropft auf das Shirt, hinterlässt einen nassen Fleck.

Sie kann den Blick nicht abwenden, und der erste Schluchzer klingt erstickt. Sie knüllt die Decke in den Händen, und nun gibt es kein Halten mehr: Tränen strömen über das gerötete Gesicht, die Mundwinkel krümmen sich in dramatischer Weise nach unten, der kleine Körper wird von Schluchzern geschüttelt, in den Augen: grenzenlose Trauer. Und Verlust.

Was war passiert?

Der Abspann der »Biene Maja«. Mehr nicht, nicht weniger. Es berührt mich derart, dass mir selbst die Tränen in den Augen brennen. Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, was sie hier so fertig macht, und vermutlich werde ich es nie können; aber ich kann mich gut daran erinnern, wie ich bei Liam Neesons aka Oskar Schindlers »I clould have done more!« geheult habe. Ich war damals allein.

Zum Glück ist sie das nicht.

Ich nehme sie fest in die Arme, und dankbar kuschelt sie sich an mich. Wir unterhalten uns ein wenig über die kleine Biene, und sie entspannt sich. Ich könnte ihr auch sagen, sie solle sich nicht so dranstellen. Sie anherrschen, was denn nun schon wieder los sei. Ihr drohen, dass sie, wenn sie jetzt nicht aufhöre, nie wieder eine Folge sehen dürfe. Wer definiert eigentlich, wann ein Kummer es wert ist, dass man sich seiner annimmt?

Ich schaue ihr nach, während sie — schon wieder singend — davonhüpft. Es sind die nicht ernst genommenen, die unterdrückten, die ins Lächerliche gezogenen Gefühle, die aus uns emotionale Krüppel werden lassen. Und meine Verantwortung ihr gegenüber wird mir in solchen Momenten überdeutlich.

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