Mit der Drohne auf Fuerteventura - ein Erfahrungsbericht
In diesem Jahr habe ich mich getraut: ich habe meine Mavic 3 mit in den Urlaub genommen. Welche Gedanken ich mir dazu gemacht habe und was mein Fazit ist: darum soll es in diesem Artikel gehen.
Startposition
Für mich war von Anfang an klar, dass ich keinen Unsinn mit dem Ding machen möchte. Sprich: ich habe nicht vor, wissentlich rechtliche Rahmen auszudehnen oder Richtlinien zu ignorieren. Deshalb habe ich direkt mit Anschaffung der Drohne grundlegende Dinge geregelt:
- Ich habe den „EU-Kompetenznachweis A1/A3“ absolviert: für die Mavic 3 (Klasse C1, offene Kategorie A1) ist der hinreichend. Für ein paar Euro habe ich ihn im Scheckkartenformat ausstellen lassen und trage ihn immer bei mir.
- Ich habe mir eine eID beim Luftfahrtsbundesamt beantragt; die ist sowas wie ein KFZ-Kennzeichen, allerdings mit dem Unterschied, dass ich unter dieser ID mehrere Drohnen parallel betreiben dürfte.
- Nach deren Erhalt habe ich diese in der Software der Drohne hinterlegt; sobald das Gerät fliegt, sendet es meine Kennung und diverse andere Daten (wie Home Point, Höhe etc.). Für Drohnen dieser Klasse ist dies inzwischen verpflichtend.
- Außerdem habe ich für kleines Geld eine feuerfeste Plakette an der Drohne befestigt; sie ist winzig, bringt kaum zusätzliches Gewicht ein und beinhaltet neben meiner eID auch meine Handynummer und E-Mail-Adresse, damit ein Finder mich im Falle eines Fly-Aways hoffentlich kontaktieren würde. Die Feuerfestigkeit ist inzwischen nicht mehr verpflichtend, die eID muss jedoch auch an der Drohne angebracht sein – sie nur per Software zu hinterlegen reicht nicht.
- Ich habe eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die EU-weite Gültigkeit und eine entsprechend umfangreiche Deckung aufweist; den Versicherungsnachweis führe ich, zusammen mit dem Nachweis über die Flugberechtigung, immer bei mir.
- Ich spiele regelmäßig verfügbare Firmware-Upgrades für Controller und Drohne ein.
Damit bin ich rechtlich auf der sicheren Seite. Von Zeit zu Zeit prüfe ich allerdings, ob sich an den Reglungen etwas geändert hat – ich vermute, dass Nichtwissen nicht vor Ärger schützt 😎
Im Flugzeug
Ich habe viele Horrorgeschichten gelesen, die mich im letzten Jahr auch nachhaltig von der Mitnahme abgehalten haben, aber hier sollte man sich nicht verrückt machen lassen. Wirklich wichtig ist eigentlich nur, dass die Akkus unbedingt ins Handgepäck gehören. Die Akkus steckte ich in einen (angeblich feuerfesten – wäre mal interessant, ob das taugt) LiPo-Safe-Bag. In der Drohne war während des Fluges kein Akku, auf den Kontakten der Akkus hatte ich jeweils Schutzkappen. Es gab keine Rückfragen, keinen Stress, keine Beschädigungen. Und dass ich in Baden-Airpark die volle Prüfung einschließlich Sprengstofftest gewonnen hatte, kann ich der Drohne nicht anlasten – ich bin da regelmäßig fällig, offenbar habe ich kein sehr vertrauenerweckendes Erscheinungsbild 😂
Der Lowepro ProTactic BP 450 AW II mit Drohne und fast allem, was ich so brauche
Ich würde mehr dazu schreiben, wenn ich könnte, aber es war völlig unspektakulär. Sicher ist es sinnvoll, vor jeder Flugreise noch einmal kurz zu checken, wie die jeweilige Airline zu dem Thema steht, und ob es Besonderheiten zu beachten gilt.
Lokale Bedingungen
Natürlich habe ich schon vor dem Abflug die rechtlichen Bedingungen in Spanien geprüft. Und ich kam für mich zu dem Schluss: wenn ich die unter „Startposition“ genannten Aspekte erfülle und mich an die Dinge halte, die ich im Rahmen des Kompetenznachweises gelernt habe, dann habe ich das Rüstzeug, um auch dort ohne Ärger zu fliegen. Vor allem dem zweiten Aspekt kommt da natürlich eine große Bedeutung zu, zum Beispiel:
- Nicht über 120m Höhe zu fliegen.
- Nicht über den Köpfen von Menschen zu fliegen.
- Andere nicht in ihren Persönlichkeitsrechten einzuschränken.
- Alle Flugverbots- und Einschränkungszonen angemessen zu beachten.
- Den teilweise wirklich massiven Wind und alle anderen Wetterereignisse entsprechend zu berücksichtigen.
Und es ist klar: viele mögliche Motive fallen dann auf Anhieb gleich wieder raus. Das ist total bedauerlich – das eine Foto[tm], das ich wirklich, wirklich und ganz unbedingt gemacht haben wollte, machte ich daher auch nicht – aber: „Safety first“.
Die Guardia Civil auf Fuerteventura geht gegen Drohnenpiloten gegebenenfalls recht harsch vor – auch hier habe ich Horrorstories in den einschlägigen Foren gelesen. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, dass eben jene Piloten sich nicht an die Reglungen hielten. Und wer seine Drohne unregistriert und ohne Berechtigungsnachweis an einem gut besuchten Strand (oder gar in Nähe der Landebahn des Flughafens) herumjagt, muss sich meiner Meinung nach nicht wundern, wenn das Gerät erst einmal einkassiert wird.
Takeoff
Ich hatte die Mavic mit einer Ausnahme jeden Tag in der Luft. Und ja: auch am Strand. Denn der ist keine generelle Flugverbotszone – ich darf nur nicht über Menschen fliegen. Und das lässt sich ja hinkriegen, zum Beispiel sehr früh morgens. Tochterkind und ich haben beispielsweise gemeinsam den Sonnenaufgang gefeiert und fotografiert, und das ging ganz wunderbar, ohne jemandem in die Quere zu kommen. Außerdem gibt es jede Menge Strände, die für Badegäste eventuell weniger interessant sind – weil sie felsig sind, unwegsam vielleicht, weil man nicht gut hinlaufen kann.
Mit dem Tochterkind beim Sonnenaufgang
Wobei ich nicht auf Sand starten oder landen wollen würde; DJI rät davon auch klar ab, Sand im Gerät könnte ernsthaft Ärger verursachen. Stattdessen verwende ich einen faltbaren Landeplatz, den ich auf festerem Untergrund, sozusagen „hinter“ dem Strand, mit Steinen in den Schlaufen auf dem Boden festhalte. Und diesen festeren Untergrund sowie Steine – das ist nun wirklich nichts, wovon es dieser Insel mangeln würde!
Ich bin gut damit gefahren, Dröhnchen auf dem Weg zu einem Flyspot oder zurück zur Landung teilweise nah und tief neben mir fliegen zu lassen. So war es auch möglich, sich mit anderen Menschen gegebenenfalls abzustimmen, wer denn jetzt zuerst „durch“ darf – und fast immer ließen sie mir den Vortritt, stellten neugierige Fragen, fanden es total spannend und wünschten mir viel Spaß. Viel entspannter als hier in Deutschland!
Überhaupt lief die Abstimmung mit anderen Menschen sehr problemlos – allerdings habe ich die Vermutung, dass mir hier der Umstand „mittelalte Frau“ tatsächlich in die Karten spielt. Ich kann (vermutlich) stressfreier mit einem strahlenden „Hi!“ auf eine Frau im Bikini (oder weniger) zugehen – zumal wenn ihr wenig begeisterter Partner neben ihr in der Sonne mariniert. Und mir kauft man es (vermutlich) problemloser ab, wenn ich sage (oder in DeepL auf spanisch übersetzen lasse): „Ich mache Landschaftsaufnahmen mit meiner Drohne; ich fliege nicht über euch, und ich mache keine Aufnahmen von euch; ist das okay?“ Und es war okay: Daumen hoch und Takeoff.
Fazit: Am liebsten morgen wieder!
Die technische Ausstattung hätte besser nicht sein können – ich strahle jedes Mal, wenn ich damit arbeite, weil sie einfach so verdammt perfekt ist. Und weil da öfter mal Fragen kamen:
- DJI Mavic 3 Classic mit drei (originalen, hier würde ich Ali-Express nicht vertrauen wollen) Akkus sowie dem Schnellladegerät
- Controller DJI RC, versehen mit einem mattierten Schutzglas und Kameragurt
- ND- und Polfilter für die Kamera
- Landeplatz
- Kamerarucksack, ein Lowepro ProTactic BP 450 AW II
Die Bilder machen mich total froh – wie schade, dass ich sie meinem Papa nicht zeigen kann. Gleichzeitig bin ich mir sicher: da geht noch mehr! Denn wie so häufig kommt im Nachgang die Inspiration, was ich anders, besser, toller hätte machen können. Leider sind wir schon wieder in Deutschland, so dass die Umsetzung dieser Erkenntnisse warten muss 🥺
Bis dahin muss ich üben: damit ich nicht mehr so bang vor einem eventuellen Absturz bin, mehr Vertrauen in die (wirklich ausgefeilte) Technik entwickle, mehr Vertrauen auch in die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten.
Und schon jetzt weiß ich sicher, dass Dröhnchen auch nächstes Mal wieder mitkommen wird! 🥰
Ein Kommentar
Von: Bastian
2025-11-03 09:03
Danke für den tollen bericht!
Ich liebäugele auch schon seit ein paar Jahren mit so einer Drohne und habe schon mehrmals den Tab zur Drohnenprüfung offen gehabt, es aber bisher nie durchgezogen — eben wegen all dieser Beschränkungen, die teilweise recht undurchsichtig sind.
Aber vielleicht, ganz vielleicht, wage ich mich da mal ran. Die Fotos sind jedenfalls sehr toll!
Hinterlasse einen Kommentar
Ich freue mich über jeden Kommentar, es sei denn, er ist blöd.
Deshalb sind die Kommentare auf dieser Seite auch generell moderiert.