Ich möchte bloggen! - Teil 4: Hosting in Eigenregie

Diesen Beitrag schrieb ich 6 Jahre und 4 Monate zuvor; die nachfolgenden Ausführungen müssen heute nicht unbedingt noch genau so funktionieren. Behalte das beim Lesen (und vor allem: beim Nachmachen!) bitte stets im Hinterkopf.

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Du möchtest Kooperationen eingehen, vielleicht Werbung schalten, ein eigenes Layout verwenden – du wünschst dir Freiheit und Zugriff auf deine Daten, kurz: du möchtest dein Blog sowie dessen Hosting in die eigenen Hände nehmen. Seien wir ehrlich: das ist Arbeit. Entweder wirst du dich selbst einlesen müssen, oder du musst im Falle von Problemen jemanden, der Ahnung hat, für seine Hilfe bezahlen.

Die in Sachen Blog gängigen Content Management Systeme sind in der Regel kostenfrei und quelloffen; meine Seite läuft unter WordPress (und obgleich das in punkto Benutzerfreundlichkeit in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat bin ich weit davon entfernt zu behaupten, das alles sei „kinderleicht“ und „mit wenigen Mausklicks erledigt“). Es gibt viele weitere, und sie alle stellen Anforderungen: die meisten benötigen PHP sowie Anbindung an eine Datenbank – das Hosting-Paket, das man irgendwo bucht, muss diese Funktionalitäten dann bereitstellen. Manche Anbieter bieten inzwischen sogar Tarife, die eigens auf das Hosting von WordPress optimiert sind – der Vergleich lohnt sich. Wie auch bei Handy-Tarifen ist ein Upgrade des gewählten Tarifs meist problemlos möglich, ein Downgrade hingegen schwierig. Geh aber davon aus, dass du, zumal anfangs, vielleicht Fragen haben wirst, die du mit Hilfe deines Anbieters klären möchtest; eine bezahlbare telefonische Hotline in einer für dich verständlichen Sprache ist hier von Vorteil.

Als Ausgangspunkt eine kleine Auswahl an Hostern in alphabetischer Reihenfolge; es gibt viele weitere, sehr informativ finde ich auch die Übersicht auf heise.de.

Mit ein paar Euro pro Monat bist du auch bei einem der renommierten Hoster gut dabei: du hast nun deine Domain, deinen Webspace und legst los. Du installierst dir ein System deiner Wahl und beginnst, erste Inhalte zu erstellen sowie Kategorien, in die du deine Artikel grob einsortierst. Die Resonanz ist verhalten. Du gibst über die verschiedenen Social-Media-Kanäle bekannt, dass es da eine neue Webseite im Netz zu bestaunen gibt, und nach und nach stellen sich erste Besucher ein. Nun heißt es: am Ball bleiben! Auch dann Inhalt zu produzieren, wenn ihn – gefühlt – niemand wahrnimmt, fällt bisweilen ziemlich schwer. Nach und nach spricht es sich herum, die Suchmaschinen nehmen deine Seite in den Index auf, während du dich – neben deinen Artikeln – mit SEO, Social Media & Co. beschäftigst. Das ist so das, womit dein Hoster rechnet, denn technisch gesehen teilst du dir einen Rechner mit (zumeist hunderten) weiteren Kunden. Als dumme Faustregel lässt sich wohl sagen: je günstiger das Webhosting-Paket, umso mehr Kunden müssen sich eine Maschine teilen.

Das funktioniert nur so lange, wie jeder dieser einzelnen Kunden moderat viele Zugriffe verzeichnet. Fällt eine Präsenz aus dem Rahmen, schlägt sich das auf alle Kunden nieder: es kann zu Verzögerungen kommen und schlimmstenfalls sogar zur Unerreichbarkeit von Seiten. Die nachfolgende grafische Darstellung zeigt die Zugriffe auf eine Webseite, die üblicherweise moderat besucht ist; um kurz nach 20 Uhr sendete jedoch VOX einen Teaser, in dem auch die Domain der Seite eingeblendet wurde. In Folge stieg die Zugriffsrate auf die Seite dramatisch an, und der schmale weiße Streifen, in dem keine (blaue/ grüne) Aufzeichnung stattfand zeigt, dass die Seite gänzlich überlastet war.

Hosting in Eigenregie VOX Erweitert sich dein also Bekanntheitsgrad und steigt die Zahl der Zugriffe auf deine Präsenz massiv an, wird sich früher oder später der Hoster an dich wenden mit der Aufforderung, auf ein grösseres (und teureres) Paket umzusteigen – bis hin zum (Dedicated) Server, einer Maschine, auf der dann nur ein Kunde liegt, nämlich du. Das Hosting ist ein Kostenfaktor, den du im Hinterkopf behalten solltest: Geldverdienen ohne Geldinvestition funktioniert nie – auch nicht beim Bloggen.

Kontinuität ist einer der Schlüssel, die zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden: ein Blog benötigt (neben regelmässigem Content, versteht sich) regelmäßige Wartung – Installation von Updates, sowohl des eigentlichen Systems als auch der verwendeten Plugins und Themes. Das dient nicht lediglich kosmetischen Zwecken, sondern auch der Sicherheit – mit Updates werden oftmals Sicherheitslücken geschlossen. Je veralteter dein System ist, desto leichter machst du es Angreifern, sich in deine Infrastruktur einzuhängen und Schaden anzurichten. Das ist nicht nur ärgerlich, es kann im schlimmsten Falle sogar rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, die dich unter Umständen teuer zu stehen kommen.

Es spricht viel dafür, bei der Auswahl von Theme und Plugins sehr selektiv vorzugehen und nicht jedem Trend zu folgen. Meiden solltest du insbesondere alles, was seit längerem nicht mehr aktualisiert wurde. Vergiss nicht, dass viele dieser Bausteine privatinitiativ entstanden sind, sie werden kostenfrei zur Verfügung gestellt und der (nicht zwingend professionell programmierende, um es wohlwollend zu formulieren) Autor nicht für eventuell entstehende Schäden haftet. Des Weiteren erhöht sich mit jedem Plugin die Ladezeit deiner Webseite, und die Ladezeit ist wiederum ein Kriterium für das Suchmaschinen-Ranking.

Du wirst dich einlesen müssen – es ist ein weites und sehr umfassendes Feld, aber es ist auch sehr interessant und abwechslungsreich. Es gibt inzwischen viele deutschsprachige Communities, an die man sich (kostenfrei) mit Fragen wenden kann, und auch auf Twitter & Co. geben gutherzige Menschen (wie ich, harr harr) gerne Tips. Also nur Mut! Dumme Fragen gibt es nicht, es gibt nur dumme Antworten – und klein angefangen haben wir schließlich alle mal.