Familienleben OFFLINE

8. April 2016: Wie war dein Tag?

Finde das Baby! Tagebuch

»Mama? Mama. Also. Mein Bauch. Der hat nämlich voll Hunger, und deshalb geh ich jetzt runter. Du musst den Hasi mitbringen. Nein, lieber die Teddy-Mumie. Aber nicht vergessen! Oh, ich hab $K2 gehört. Schlaf noch gut, bis gleich.« Deckenlicht an. Stapf-stapf-stapf-stapf. Ich öffne ein Auge. Was hat sie da gerade alles gesagt?

Dass ich kein Morgenmensch bin hat sich auch mit zwei Kindern nicht signifikant geändert; ich bleibe noch ein paar Minuten liegen, um wach zu werden, und höre die Kinder im Untergeschoß qieken, rumrennen und dem Papa im Weg rumstehen. Ein neuer Tag. Als ich nach unten komme, liegt K2 wie ein Automechaniker unterm Bett, während K1 kopfüber in einem T-Shirt steckt und sich quasi selbst gefesselt hat.

Frühstückszeit; die Kinder stopfen sich mit Hosi-Go voll, was Honig-Brot in K2-Kauderwelsch bedeutet und nicht mit Hasi-Go zu verwechseln ist — was mit zerschlagenen Osterhasen belegtes Brot bedeutet. Die Große ist ungekämmt, unfrisiert und lässt die Haare in den Honig hängen; die Kleine klebt mit dem Gesicht am Tisch und schmeißt den Wasserbecher um.

Sobald die beiden mit Papa auf dem Weg in die KiTa sind versuche ich schnell, mich in etwas Menschenähnliches zu verwandeln und sause ins Büro. Es folgen die einzigen drei ansatzweise ruhigen Stunden des Tages — sowie der einzige warme Kaffee des Tages. Vom Büro aus fahre ich auf Umwegen (Krötenwanderung) zur KiTa und sammle mein müde gespieltes, verschwitztes und nach Fisch riechendes K2 ein. K1 kniet auf dem Außengelände der KiTa im Sand, rührt einen Eimer Matsch an, küßt Schwesterchen und mich — »Bis nachher, Mama!«

Auf nach Hause: K2 singt auf der Fahrt und freut sich wie Bolle über einen entgegenkommenden Rettungswagen; kaum zu Hause, liegt sie auch schon in der Federwiege und schnarcht leise, während ich VPN anwerfe und weiterarbeite. Das nunmehr ausgeschlafene Kind hat es perfektioniert, sich geräuschlos aus der Federwiege zu manövrieren, sich an mich ran zu schleichen und mich zu Tode zu erschrecken — wie sie lachen kann! Sie marschiert in die Küche, schnappt sich einen Fuffel (= Löffel) und fordert einen Joghurt ein.

Mit frisch abgefülltem und gewickeltem K2 nun also wieder in die KiTa (die blöde Kröten-Umfahrung regt mich echt auf), K1 einsammeln — die sitzt auf dem Außengelände der KiTa im Sand und rührt Matsch an. Schon wieder? Oder immer noch? Sie stirbt einen jämmerlichen Hungertod (»Ich hab fast gar nix bekommen hier!«) und möchte noch spielen (während sie mich anmeckert, weshalb ich so spät komme), derweil K2 abhaut und den Berg zur Rutsche hochkraxelt. Ich bin umringt von Kindern, die mir ihre neuesten Pflaster und Beulen zeigen und Geschichten erzählen wollen. Auch so ein Phänomen: während Eltern in lockeren Gruppen zusammenstehen und sich unterhalten, sitze ich in aller Regel umringt von Kindern und im Dreck.

Auf dem Rückweg halten wir noch kurz am Internationalen Brezelzeichen (=Aldi), K2 sucht mir einen Parkplatz (»Da-geh-hin, da-geh-hin, DA-GEH-HIN!!!«), K1 holt einen Wagen. Hand in Hand rennen beide zum Brezelautomaten und geiern darauf, Knöpfchen drücken zu dürfen. K1 singt laut »Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder…«; K2 umarmt mit ernstem Gesicht eine Pappschachtel (Inhalt: ein kleines Polizei-Motorrad mit Sound) und wiederholt »Haben. Haben. Haben. Haben. Haben.«, aber ganz oft.

Zu Hause angekommen trachten sich die Kinder im Wohnzimmer, dem Geräuschpegel nach, gegenseitig nach dem Leben, während ich versuche, in der Küche einen Pfannkuchenteig anzurühren. Als das Geschrei einen ernsthaften Unterton bekommt, rekrutiere ich beide zu Waschmaschine befüllen und anschalten, und als die Maschine läuft sitzen beide mit einer Taschenlampe davor und leuchten in die Trommel — K1 ist davon überzeugt, dass die Wäsche verschwindet, sobald die Maschine schleudert, und möchte das nun beweisen. Himmlische Stille!

Chefkochs Mengenangaben im Bezug auf Pfannkuchen sind eher lächerlich — die Kinder machen die Portion, die angeblich auf vier Personen ausgelegt ist, nahezu alleine platt — was uns Eltern die Möglichkeit gibt, uns später am Abend eine leckere Pizza reinzuziehen. Schlafanzüge, Zahnbürsten, Stofftiere — während K1 mit dem Papa Buch liest, muss ich K2 ein Einschlaflied singen, das mit jedem Abend länger wird und inzwischen unter anderem Strophen über Mama, Papa, Oma, Opa, Barbapapa, Barbamama, Bett, Boden (!) und Fabi (=Fahrrad) enthält. Wechsel: nun muss ich mit K1 lesen — sie liebt Gedichte, derzeit besonders »Die Made« von Heinz Erhardt — und Papa ist bei K2.

Und dann kehrt Ruhe ein. Langsam, aber stetig. Über das Babyfon hört man die Kleine singen und im Bett herumrandalieren; die Große hört noch eine CD. Doch es wird leiser und leiser, und bald schnorcheln beide.

Wenn sie schnorcheln, sehen sie so ruhig und friedlich aus.

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