Das Deftige Mädchen Kamerad oder Spielzeug

wall < "Das „deftige“ Mädchen"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (So Mai 01 13:52:21 2016):
4
Diesen Beitrag schrieb ich vor 3 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Weiter geht es mit dem nächsten Kapitel aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?« — es heisst »Das „deftige“ Mädchen«. Die übrigen Kapitel — und auch, wie es dazu kam — findest du übrigens hier.

Wolltest du mich fragen, wie sieht sie aus, hast du kein Bild davon?, so müßte ich dir sagen: Freund, mach doch deine Augen auf, schau dich doch einmal um in deinen Reihen. Geh nicht auf die Hauptstraßen der Stadt, wo aufgetakelte Frauenröcke elegante Frauenbeine spazieren führen, wo alles darauf ausgelegt ist, die Aufmerksamkeit vom Gesicht abzulenken. Dieses darf man nicht mehr sehen, das ist so platt, so nichtssagend, so sinnlich, so genußsüchtig. Das tut so verliebt und denkt doch nur an sich. Das lächelt so himmelsgleich, und doch spielt Meister Beelzebub nur Kasperletheater drin. Alles, aber auch alles ist Theater an diesen Mädchen. Und im Vertrauen: ich vergönne es manchem von uns, wenn er so ganz still einmal Mäuschen spielen dürfte, wenn diese Promenadenschätzchen und Liebeskätzchen zu Hause im Kreise der Familie oder gar mit der Mutter allein sind, oder wenn ihr mal in das Schlafkämmerleich dieser Mädchen hineinschauen könntet. Ihr würdet entsetzt zurückprallen vor dieser Leere, vor dieser Gemeinheit, Geistlosigkeit, Gottlosigkeit und vor dem Dreck, den ihr dort findet, und so nüchtern werden wie einer, dem man nach einem starken Kater ein volles Glas Weinessig als Wein präsentiert hat.

Das deftige Mädchen will von diesem ganzen Lügenkram nichts wissen. Was es in die Hand nimmt, muß fest sein. Was es anzieht, muß kräftig, haltbar und echt sein. Es verzichtet lieber auf etwas, als Ehape-Ware anzuziehen. Mit seinem Körper spielt es kein Theater. Sauber, anständig, ja wirklich vornehm ist es angezogen, auch im einfachen Kleid. Und ich glaube, daß es seinen Leib nicht vernachlässigt, gerade weil es ihn liebt, weil es ihm ahnet, daß er ein wirklicher Tempel Gottes ist. Darum darf kein Lügenkram drauf.

Alles aber, was das deftige Mädchen hat, bewahrt es wohl. Es verschwendet nichts. Mode hat auch heute dem echten deftigen Mädchen nichts zu sagen. Es weiß, daß höhere, feinere, bessere Werte im Menschen drin stecken, die es auch fein machen trotz der unmodischen, trotz der einfachen Kleidung.

Wißt ihr, wo ihr es lesen könnt, ob ihr es mit einem edlen, defitgen Mädchen zu tun habt? Nicht in den rockfreien Waden und buntbebänderten Knien im Seidenstrumpfe, sondern in den reinen, klaren, lebendigen, frisch und wagemutig in die Welt hineinschauenden Augen.

Jungens! — Finger weg von dem Mädchen, dem man nicht in die Augen schauen kann. Finger weg von dem Mädchen, das mit den Augen locken will. Aber ein freudiges Ja zu dem Mädchen, welches den fragenden Blick eines edlen Jungen aushalten kann, und welches darob in reiner Freude jubelt.

Das deftige Mädchen hat Zeit. Es drängt nicht zur Heirat. Es ist unnahbar. Ihr wißt, was ich damit meine. Ein Mädchen, welches dem Jungen nicht eins ganz tüchtig auf die Finger klopfen und ihm ganz gehörig den Kopf waschen kann, ist auch nicht echt — drum sage ich nicht, daß es dies unbedingt tun muß. Es genügt schon, daß ihr wißt: sie könnte es.

Hand aufs Herz, gibt es nicht Stunden, wo das Mädchen euer Schutzengel sein müßte, gerade heute mitten im Getriebe der Großstadt? Ich kenne Jungen, die sind an einem solchen starken Mädchen groß und glücklich geworden. Ich kenne auch solche, die davon nichts wissen wollten, zu den weichen und feinen gingen und heute im tiefsten Unglück hängen.

Das deftige Mädchen aber kann vor allen Dingen zupacken.
Flötet denen etwas, die euch was ins Ohr flüstern, das so anfängt: „Jung, wenn wir später mal verheiratet sind, Jung, dann sollst du mal sehen, was ich für dich arbeite, Jung, dann sollst du es aber gut kriegen,“ jetzt aber zu Hause auf ihrer faulen Haut liegen und zusehen können, wie die Mutter arbeitet. Woher sollen sie das Arbeiten dann später lernen, oder meint ihr, das ging „aus lauter Liebe“?

Flötepiepe! — Die werden euch schon später klarmachen, was ihr zu arbeiten habt und wer die Hose an hat.

Das deftige Mädchen kann nicht viel poussieren, nicht viel Gedöns machen, auch den „lieben Jung“ nicht viel streicheln und küssen, aber es kann anpacken und sorgen und schaffen und vor allen Dingen die Treue halten bis zum allerletzten. Wer aber treu ist, der wird in der Ehe später Fröhlichkeit, Glück, Zufriedenheit haben. Die „netten und schicken“ Mädchen können es darin kaum mit den „deftigen“ aufnehmen.

4