Hölle

wall < "Die Hölle – die ist man selbst… (Gastbeitrag $03)"

Broadcast message from Gastautor@unixe.de (pts/1) (Fr Mai 28 15:22:18 2010):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 9 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Heute meldet sich der Gastautor Jörg Möllenkamp alias c0t0d0s0 alias »die Bootplatte« zu Wort, der auch seinen eigenen Blog »c0t0d0s0.org — The sun in a lighthungry universe« betreibt. Viel Freude beim Lesen!

Viele Blogartikel, die sich um die Mitmenschen drehen, fangen mit „Die Hölle – das ist immer der Andere“ an, vergessend, dass man für alle ausser sich selbst eben dieser Andere ist.

So sehr uns unsere Mitmenschen Nerven kosten, so sehr sind wir die gleiche Pest für die luftverbrauchenden Individuen in unserer Umgebung. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich in ein Flugzeug steige: ABC (oder uebersetzt: Fenster, Mitte, Gang linker Hand in Flugrichtung) oder DEF (Gang, Mitte, Fenster rechter Hand in Flugrichtung) sind eine Zwangsgemeinschaft fuer eine gewisse Zeit. Und diese Beziehung ist vorbelasteter als eine Ehe.

Beispiel? Egal, wie nett die Person auf dem Mittelsitz ist, sie ist der natuerliche Feind der Menschen auf dem Fensterplatz oder am Gang. Bei meiner Schulterbreite (und die ist nicht mal ueberdimensional) bin ich insbesondere der Feind beider Personen… und ich bin noch nicht mal nett… ich bin das A… das auch auf dem Mittelsitz versucht „Die Zeit“ zu lesen :D

HölleDie ganze Umgebung, um einen herum ist sowieso eine Beleidigung: Morgens wegen der geschmacklichen Auswahl der deodorierenden Mittel, die einen wahlweise an eine Herde Moschusochsen oder künstliche Billigvanille erinnert, oder abends auf dem Rückflug durch das Versagen derselben. Nach 250 Flügen für die IT-Branche kann ich sagen, dass es zwei ganz grundsätzliche Lügen gibt: Das papierlose Büro und das Werbeversprechen, dass ein Deo bis zum Abend hält. Nun stelle man sich vor, dass man zwischen Moschusochse und Vanillebusch sitzt beziehungsweise, dem was man abends davon übrig ist, und der Geruchssinn wünscht sich weit weg. Allerdings: Man selbst ist ja nicht besser. Von dem Gedanken, das man eine kleinere olfaktorische Beleidigung ist, kann man sich spätestens nach einem Tag in einem schlecht belüfteten, fensterlosen Vortragsraum locker verabschieden.

C guckt genervt, wenn A und B ihren Platz einfordern. Aus einem seltsamen Grund sitzt C immer schon wenn B nach seinem Platz begehrt und aufgrund einer Ironie des Lebens scheint A immer nach B zu kommen. Wie schnell könnte man doch einsteigen, wenn das Boarding streng nach dem Muster AFBECD und dann jede Sitzreihe von hinten nach vorne Erfolgen würde. Aber man stelle sich mal das Chaos am Boarding vor. Sich der Reihe nach nach einem bestimmten Regelwerk aufzustellen klappt ja schon im Kindergarten nicht. Nun probiere man das mit Erwachsenen die alle einem gewaltigen Irrglauben über ihre eigene Wichtigkeit unterliegen. Viel Spass …

Der Schluss daraus? Locker bleiben, nicht zu sehr an einen befreienden Amoklauf denken und sich weiter gegenseitig nerven.

In diesem Sinne empfehle ich ein Lied von den Fanta Vier: Kaputt

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