Gruss

wall < "Digitale Verantwortung?"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Fr Apr 18 22:51:54 2014):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 5 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Drei Monate sind eine lange Zeit; drei Monate seit dem letzten Blogartikel noch viel länger. Die weisse Seite starrt mich aufdringlich an. Schreib was. Mach schon. Ich zögere, setze an; stocke, lehne mich zurück, denke nach. Schreibe mit entschlossenem Gesichtsausdruck eine Zeile, zwei, drei. Früher war bloggen ohne Kippe undenkbar; jetzt wäre ich froh, wenn ich eine rauchen könnte. Ich lese das Geschriebene, denke mit geschlossenen Augen. Apfel-A. Backspace.

Wie geht es dir?« frage ich Siri, »Es. Geht. Mir. Gut. Danke. Der. Nachfrage.« antwortet mein Handy. Die Diskussion driftet ab und endet in Aussagen wie »Ich. Habe. Keine. Orte. Mit. Der. Bezeichnung. „Du. Mich. Auch.“ Gefunden. Tut. Mir. Leid.« Mann und Kinder schlafen. Ich warte darauf, mein Brot aus dem Ofen holen zu können. 40 Minuten. Ausreichend für einen Blogartikel? Wie ging das eigentlich nochmal?

imageIch habe gerne gebloggt. Ich habe aus Überzeugung gebloggt. Jetzt, scheint es mir, habe ich nichts mehr zu sagen. Andersrum: ich habe viel zu sagen, und niemanden interessiert es. Vor allem aber bin ich mir meiner Verantwortung überdeutlich bewusst: blogge ich über mein Leben, so schreibe ich implizit auch über den Mann, die Kinder; aber so interessant und unterhaltsam auch Wortneuschöpfungen, logische Brüche und etwaige Fäkalienpannen sein mögen — meine Kinder dürften mich (völlig zu recht!) früher oder später dafür hassen, wenn ich das alles hier in Beiträgen verwurste. Oder sind meine Sorgen überzogen? Wie seht ihr da draussen das? Die Gratwanderung zwischen Datenschutz und Blog will mir nicht recht gelingen; vielleicht stehe ich mir auch nur selbst im Weg.

Und deshalb gibt es heute, ganz untypischerweise, ein Bildchen für euch. Weil wir das Schlimmste nämlich überstanden haben, und daran sollt ihr teilhaben. Ihr seid toll, und eure Unterstützung hat mir unendlich viel bedeutet. Heute mal sch*** auf den Datenschutz — auf dem Bild bin ich mit dem Kuschelinchen, und ist es nicht niedlich? <3

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  1. Gratulation und Glückwunsch :-) Schön zu lesen das die Krise überstanden ist :-) Was das bloggen angeht: Schreib das was dringend raus muss, und ansonsten den Ball flach halten ;) Man verändert sich ja auch irgendwo und was früher noch cool und gut war muss es heute nicht mehr sein. Ich hab meinen Blog auch wieder belebt und als erstes von allzuprivatem Seelenspam bereinigt.

  2. Bilder sehe ich auch immer als etwas anderes an, da bin ich selbst recht vorsichtig. Und Text? Text bringt man ohnehin kodiert unter. Es ist wohl eine Gratwanderung, aber es freut mich von Dir wieder etwas aktuell lesen zu können und dass es Dir und deiner Familie gut geht :-)

  3. Wenn ich als Teenie heraus gefunden hätte, dass meine Mutter früher über mich gebloggt hat, wäre ich echt angepisst gewesen. Ich finde es ja schon nervig, wenn Freunde Kinderfotos von mir zu sehen bekommen oder Geschichten auskramen, die nur wenige Jahre alt sind. Insofern finde ich es gut, dass du darüber nachdenkst und lieber weniger als mehr schreibst. Ganz abgesehen davon, dass du bei den genannten Themen möglicherweise grösstenteils für dich selber schreiben würdest – und das muss ja vielleicht nicht öffentlich passieren.

    • Das mit den Kinderfotos ist gut, ja. Ich sehe halt täglich, wie andere Eltern auf Twitter, auf Facebook mit dieser »Verantwortung« umgehen, es werden unzählige Bilder und Anekdoten gepostet… und wer weiss, vielleicht hassen mich meine Kinder eines Tages, denn »alle haben eine Facebook-Chronik, nur ich nicht — du hast mich nicht lieb!«?

      Lasse ich das, was meine Lieben hier berührt, ganz aussen vor, so bleibt leider nicht viel, worüber ich bloggen könnte — und das beschäftigt mich. Bin gespannt, welchen Weg ich für mich/ uns finde…

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