Kamin Die Vorzüge eines Kamins

wall < "Ein Abend am Kamin"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Fr Jan 18 22:15:03 2008):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 11 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Ein offener Kamin ist eine wunderschöne Sache, entspannend dazu, und die Wärme, die er abgibt, ist mit der üblichen Heizkörper-Wärme nicht zu vergleichen; hinzu kommt aus aktuellem Anlass jedoch auch, dass ich an das Brennholz zu Spottpreisen gekommen bin, Heizöl jedoch beständig teurer wird. Nunja, und wenn man so ein Ding schonmal hat, dann kann man’s ja auch nutzen, richtig?

Richtig, zumindest in der Theorie; praktisch kam aber schon in der letzten Saison die Luftklappe aufgrund einer gebrochenen Schraube geflogen, und ohne diese Klappe verbrennt das Holz blitzschnell und ohne einen Funken Wärme abzugeben. Also das Ding irgendwie reparieren — bloss wie? Den Nachbarn schon wieder nerven? Nein. Mein Vater? Fühlt sich nicht zuständig. Ein Profi? Macht keine Aussage, sondern will einen Monteur vorbeischicken, schon das Gucken mit Anfahrt im dreistelligen Preissegment.

Also: Schraube organisiert und todesmutig mit dem Oberkörper in den Kamin gekrochen (bei der Gelegenheit durfte ich feststellen, dass ich schwarzhaarig ziemlich bescheuert ausschaue…). Ist ein ziemliches Gepfriemel, ständig fällt einem Dreck ins Gesicht, selbst für die kleine Maglite ist so gut wie kein Platz — aber funktioniert hat’s! Selbstverständlich war ich schwarz wie das Teerbaby anschliessend, am liebsten hätte ich mich zu meinen Klamotten in die Waschmaschine gesetzt

Nun sitze ich in meinem Schaukelstuhl, freundliche Gabe meiner Nachbarn, eingehüllt in eine Flausch-Decke, auf dem Schoss das iBook. Rechts neben mir meine etwa 70 Jahre alte Massivholz-Stehlampe mit dem Tischchen auf halber Höhe — darauf alles Essentielle, Aschenbecher, Kippen, Kaffeetasse, Buch. Meine Füsse? Hochgelegt auf dem Marmorsockel des Kamins, in angenehmer Entfernung zur Scheibe, perfekt zum Zehen-Wärmen.

Unter der Treppe ist aufgebaut, was eigentlich ein Blumenbänkchen ist, nun aber perfekt als Phono-Regal fungiert: der gute alte Dual-Plattenspieler, der Verstärker und der Vorverstärker, den ich irgendwann einmal zusammengelötet habe (für den ich jedoch nie ein adäquates Gehäuse fand und der deshalb bis heute in den Mini-Schraubstock eingeklemmt ist). Und es läuft eine meiner Lieblings-Platten, gerade »Crime of passion« von Mike Oldfield — und der Sound ist verdammt genial hier; was mich erstaunt, da ich einfach zwei Brüllwürfel locker in den Raum geworfen habe, von Ausrichtung konnte da keine Rede sein.

Die Holzscheite knacken, das erste mal seit überraschend langer Zeit ist mir richtig angenehm warm. Maggie Reillys Stimme, dazu der ganz typische Sound, den man nur von einer Schallplatte bekommt (und auf den heute keiner mehr Wert legt, ja ich weiss — ausser mir halt), dazu die Feststellung, dass Oldfield beim Remastern verdammt gelitten hat — ganze Sequenzen und viele Details wurden für die CD-Fassungen einfach rausgeschnitten.

Nein Leute, auslachen, mich bekloppt und Oma nennen darf nur, wer je einen Winterabend mit hier in diesem Raum zugebracht hat, mit heissem Tee, bröckeligem Kandis und einer schnurrenden Miez auf dem Schoss.

PS: ich rieche wie ein Stück Rauchfleisch! Ich wusste, die Sache hat einen Haken!

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  1. Hallo,

    zum Thema Frauenversteher hoerte ich schon andere Thesen. Und gross bin ich auch ;). Immerhin war so auch schonmal Koerperkontakt hergestellt ;).

    Hier steht ein Heathkit Kurzwellenreceiver und ein R11 von Siemens. Beides Nachkriegsware. Beim R11 ist das Gehaeuse hin. Liesse sich restaurieren, aber vorher schaffe ich mir ein Sofa an ;). Neulich sah ich auf einer Videoplatform einen abgedrehten Frankreicher, der sich seine Trioden selbst kloeppelt. Super Sache.

    Gruesse
    hm*willstemalmitraufundmeineroehrensammlungsehen*w

  2. @hmw: ich würde mal behaupten, dass Du nicht so der grosse Frauenversteher bist, sonst hättest Du Dir diesen Satz verkniffen :D

    Nein, der Vorverstärker hat keine Röhren; ich suche allerdings noch so ein schönes 30er-Jahre-Röhrenradio — hab am Wochenende eines von Blaupunkt entdeckt, aber es war verbastelt und am Zustand gemessen zu teuer… Röhren sind doch was Geiles!

  3. Hallo,

    tja, auf der einen Seite gute robuste Technik aus Sankt Georgen, auf der anderen Seite ein iBook *duck*. Lizenz zum Loeten also? Ich nehme an, der Vorverstaerker ist nicht roehrenbestueckt? Mit Audio habe ich es ja nicht so, eher mit HF. Aber es ist schon elephantoes, man so schaut, was einige Leute sich da an sowohl technisch, als auch handwerklich Perfektem zusammenschrauben.

    Kleine Anekdote am Rande: Ich hatte mal eine junge Kollegin zum Kaffee zu Besuch. Die meinte, ich wuerde wohl auf alte Dinge stehen. ‚Tja, darum lud ich dich zum Kaffee ein‘, erwiederte ich. Danach hatte ich ploetzlich Schmerzen in der Rippengegend ;).

    Gruesse

  4. Erdnuckel ist kein böses Wort!

  5. @Nightsky & Mao-B: kaum lässt man Euch mal eine Minute aus den Augen, habt Ihr nichts wie Unsinn im Hirn! Mich Teerbabe zu nennen ist schon nicht nett — aber ERDNUCKEL??!

    @hmw: warum stört das iBook? ;) Ich mag den Kontrast zwischen sehr alt und recht neu, aber sparsam eingesetzt… Ausserdem gehört das iBook seit Jahren dazu, und entgegen allem, was man meinen mag — ich lebe nicht in einem Museum :dance:

  6. Erdnuckel!?!?!?!? HÄ? WTF is a ERDNUCKEL? Teerbabe klingt deutlich besser, mondäner, much more sexier! 8)

  7. Erdnuckel vielleicht aber nicht Teerbaby

  8. Ich glaube sie hat nen neuen Spitznamen :-D

  9. sie wäre nicht sie selbst, wenn das Notebook nicht eben diesen Kontrast in ihrer Szenerie setzen würde.

  10. Hallo,

    das iBook stoert ;). Wenn ich in RV bin, steige ich immer in dem Hotel mit der rustikalen Kneipe ab. Viel Holz, Tierkadaver glotzen einen von der Wand auf den Teller, der Hirsch guckt durchs Fenster (Morgens sagte ich ihm, dass ich ihn am Abend zu essen gedenke. Er wollte nicht hoeren ;) . In der Umgebung sass eines Abends ein junges Ding, die Salatschuessel vor sich. Vor der Salatschuessel das hypermoderne Notebook ;). Drumherum die Hotelgaeste, ein paar Einheimische beim Kartenspiel. Herrlich.

    Gruesse

  11. Ja ich habe die Zeit immer bei meinen Eltern genossen, ein Kamin gibt so eine richtig wohlige Wärme. Da bin ich schon recht neidisch ;-)

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