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wall < "Nix los im Netz"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Mo Jan 14 20:05:25 2008):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 11 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Liegt es an mir, oder werden momentan wirklich die meisten Blogs (meiner eingeschlossen) immer uninteressanter? Vor einigen Monaten waren die Blogs noch eine Methode, in Kontakt zu bleiben, wenn auch die Entfernungen zwischen den Beteiligten sich vergrössert hatten; man schrieb und erhielt Kommentare, man kommentierte und blieb im Dialog.

Inzwischen kommentiert keiner mehr, und die Beiträge sind foobar; ich für meinen Teil widme mich sehr ausgiebig meinem neuen Hobby, dem Geocaching, und natürlich weiterhin der Photographie; dass ich damit an Wände laufe, habe ich inzwischen bemerkt — die meisten Leute siedeln es irgendwo zwischen amüsant-bescheuert und bescheuert-total_bescheuert an.

Was sonst? Ich klicke mich durch meine Blogrolle und sehe nicht mehr als einen *ou*ube-Clip nach dem anderen, seltsame Wortwitze, die auch beim dritten Lesen nicht lustig sind, uninteressante Copy-Paste-Artikel (im Idealfall nebst Link zum Original), und ansonsten herrscht über weite Teile schlicht und ergreifend das »Das Schweigen im Netze«.

Ich versteh‘ das nicht recht, und es macht mich traurig; Kontakte flammen auf und gehen wieder verloren, wo einst Vertrauen herrschte regiert jetzt Oberflächlichkeit — und das Resultat aus alledem, aus 27 Jahren Kampf, Menschen und Kontakten, ist, dass man in der Abenddämmerung allein durch den Wald stapft und nach einer Filmdose sucht.

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  1. DrAlzheimer: ja, ich weiss, Dein Sklave hat geplaudert :D
    Die Tour, die wg. Glatteis abgebrochen werden musste, steht noch aus –> weitere Planung via ML?

  2. Mich trifft keine Schuld, ich war in Wien diese Woche. ;-)
    Ich hoffe dass wir in der nächsten Woche mal wieder eine unserer berüchtigten Touren machen können.

  3. @hmw: woran das liegt — keine Ahnung, ich frage es mich selbst ständig. Bei einem Teil der Leute waren es die Lebenspartnerinnen, die alles unternommen hätten, den Kontakt zwischen mir und ihren Freunden zu unterbinden (völlig unbeeindruckt davon, dass sie ihn gerade seit zwei Wochen kannten und ich ihn schon seit Jahren; aber die Typen haben’s mitgemacht, so what — ich bin ja auch nicht mit ihnen in die Kiste gestiegen…). Den anderen unterstelle ich Faulheit und Egotrip: Freundschaften sind manchmal harte Arbeit, und in einer Gesellschaft, in der alles auf Knopfdruck reagieren muss und blitzschnell noch dazu ist keine Zeit, sich ernsthaft mit jemandem auseinanderzusetzen (zumal mit jemandem, der ggf. querschiesst!).

    Der Wandel, in dem sich die Kommunikation derzeit befindet, ist zumindest interessant, und ich verstehe nicht, warum sich die Forscher nicht draufstürzen; das Usenet liegt in den letzten Zuckungen, einige meiner liebsten Groups sind schon lange dicht; Webforen indes machen keinen Spass — zum einen aufgrund des Registrierungs-Affentanzes, andererseits aufgrund der von Dir bereits angesprochenen Aspekte (Orthographie, Wortwahl, Inhalt, …). Private Blogs sind mehr und mehr unzusammenhängend und bringen keinerlei Aussage-im-Kern rüber — oder aber sie spiegeln nur wider, was auf Spiegel, Stern und Bild ohnehin propagiert wird, manchmal mit einer eigenen Meinung in der Randnotiz, meist aber nicht…

    Insofern wird nur noch reagiert, nicht agiert.

    [Ich belasse es jetzt mal dabei, ehe ich mich vollends in Rage rede…] ;)

  4. …aber…aber…tägliche Verdauungsreporte sind doch WICHTICH!!!!

  5. Hallo,

    aber woran liegt es? Nach so langer Zeit wuesste man doch, wenn man sich nicht leiden koennte? Abnutzungserscheinungen? Alles schon gesagt? Naja, wir werden sehen.

    Ja, Kommunikation hat sich gewandelt. Usenet ist auch nicht mehr das, was es mal war. Blogs haben die early adopters Phase hinter sich gelassen. Im Grunde hat heute jeder, auch relativ unabhaengig von seiner Einkommenssituation, die Moeglichkeit, seine Meinung oeffentlich kund zu tun. Und das ist ja auch gut so. Ich weiss nicht genau, wie nightsky fuer sich Qualitaet definiert. Aber die meisten Medien funktionieren per pull und nicht per push. Insofern bin ich frei darin, was ich konsumiere und was nicht. So halte ich es schon seit Jahren mit dem Fernsehen. Es beruehrt mich ueberhaupt nicht, dass es vielleicht irgendwo ein bis dreizehn blogs geben mag, wo die Schreiber ihre taeglichen Verdauungsbeschwerden kommunizieren.

    Nichtsdestotrotz haben ich seit langer Zeit den Eindruck, dass die Qualitaet von Texten (bezogen auf Rechtschreibung, Aufbau und solche Dinge) allgemein abnimmt. Das betrifft IMHO nicht nur on-line-, zB. E-Mail oder blogs oder Webseiten, sondern auch off-line-Medien, also zB. Zeitschriften und Buecher oder auch Bewerbungssschreiben. Neben der einfachen Verfuegbarkeit oder eher Erzeugbarkeit von Medien scheint es also auch noch andere Phaenomen zu geben. Bei on-line-Geschichten, so ist zumindest mein oberflaechlicher Eindruck, scheint bei vielen Nutzern der Gedanke vorzuherschen, dass on-line ja nicht real ist und ihre Aeusserungen und Taetigkeiten dort ja keine Rueckwirkungen auf ihr reales Leben haetten.

    Gruesse

  6. @hmw: ich weiss nicht, ob sich eine solche Tendenz herauswachsen kann; bei mir war es eigentlich immer so, dass sie sich durch nichts aufhalten liess — ob ich nun gegensteuerte oder nicht.

    Auch ich kann aus Erfahrungswerten nur extrahieren, dass ich es bislang anders als von nightsky dargestellt wahrgenommen habe; allerdings muss ich auch sagen, dass ich seit 1994 aktiv im Netz unterwegs bin und dass sich (meiner Meinung nach) die Kommunikation schon sehr stark gewandelt hat — und nicht zwingend vorteilhaft.

    Der Umstand, dass dieser vergleichsweise wenig durchdachte Blogeintrag für derart viel Resonanz sorgte (Top-20 der meistgelesenen Artikel gestern) ist aber ggf. ein Hinweis darauf, dass das Thema brisant ist…?

  7. Hallo,

    nightskys Einlassung bzgl. des verschobenen Interessenbereichs kann ich noch zustimmen. Den Rest sehe ich anders bzw. meine Erfahrungswelt sieht da deutlich anders aus.

    Gruesse

  8. Huhu Spillerchen :)
    ich finde es mag aktuell ruhiger sein,
    interessante Blogs sind halt auch irgendwann nicht mehr interessant und man sucht sich ein anderen Betätigungsfeld.
    Naja mein Blog ist nun wirklich nicht interessant und aktuell ätze ich auch nur rum.
    Alle reallife+internet Kontakte mal ausgeschlossen, die Leute die man im Inet kennenlernt sind eh nur sehr oberflächliche Kontakte und meiner beischeidenen Meinung ist das auch ganz gut so.
    Im endeffekt zählen nur Menschen die man schonmal gesehen, gerochen, geschmeckt und gehauen hat was oder in Deinem Fall beklaut ^^
    Alles andere die Leute, mit denen man sich ne Weile angestrengt via Mail oder Messenger unterhält, verschwinden gewöhlich wieder im Nirvana und da bleiben sie dann meist auch.

    Und der Bloghype scheint abzuklingen, was auch ganz gut ist. Dann erreicht dies ganze vllt. auch in der Gesamtheit wieder mehr Qualität.

  9. Hallo,

    ich habe hier den Fall (off-line), wo sich das nach 10 Jahren auch so entwickelt. Ich weiss nicht genau, woran das liegt. Eigentlich will ich dagegen etwas tun wollen, aber ich weiss nichts Gescheites. Ich hoffe darauf, dass sich das rauswaechst…

    Gruesse

  10. @hmw: Es geht mir ja nicht darum, Online-Kontakte zu beweinen, die ich im worst case noch nie im Leben gesehen habe — mein Ausbruch bezog sich auf teilweise langjährige Freunde, die sich momentan in jeglicher Hinsicht (also auch in Sachen Blog) völlig banane verhalten und zu denen der Kontakt nun nicht nur IRL, sondern sogar virtuell weniger und weniger wird — dass das nichts Ungewöhnliches ist weiss ich ja, aber das Akzeptieren fällt mir so schwer…

    In Sachen »Abenddämmerung und Wald«: tu‘ es — es ist einfach nur toll. Selbst wenn man sich anschliessend ein paar Brombeerdornen aus den Fingern ziehen muss :D

    @Ruediger: Natürlich ist das irgendwie schade; ich für meinen Teil versuche auch gegenzusteuern — aber Wissen ist Macht, und wieviel möchte ich wirklich von mir preisgeben? Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle…

    @Mao-B: Dass Du nichts anderes sagen kannst ist mir klar…

  11. Ich finde du überbewertest das ganze. :roll: Man hat nicht immer irgendwas zu sagen oder zu zeigen.

  12. Hallo,

    also ich bin ja noch nicht sooo lange mit der bloggerei beschäftigt…
    Allerdings muss ich Dir in gewissem Masse zustimmen: Es geht immer mal wieder ein Thema durch alle (fast alle) blogs- dann ist wieder mal Ruhe und es kommen die üblichen („einfachen“) Beiträge (bei mir auch wieder eingeschlossen). Eigentlich schade…

  13. Hallo,

    ich verfolge vielleicht um die fuenf blogs mehr oder weniger regelmaessig. Die meisten davon lese ich schon laenger als zwei Jahre. Sicher gibt es da mal Durststrecken, aber ich finde die meisten weiterhin spannend. Bei einem Blog hat IMHO die Kreativitaet oder die Lust an der Sache nachgelassen. Bei einem anderen gelangen jetzt mehr Dinge zu twitter, die vorher zu einem Artikel verarbeitet wurden. Die verbleibenden Artikel machen das aber wieder wett.

    Das Kontakte entstehen und wieder verloren gehen, halte ich fuer relativ normal. Man beschreitet ein Stueck Weg zusammen, weil man den Ausschnitt Leben, den der Schreibende bietet, spannend findet. Manchmal merkt man, dass die Persoenlichkeit des Schreibenden noch andere Aspekte bietet oder das Schreibthema ist wirklich ausgelutscht oder die eigenen Interessen veraendern sich und man zieht weiter. Ich kenne auch die Moeglichkeit, wo sich Kontakte vom blog losgeloest haben und zB. per email oder Telephon erweitert wurden. Ich weiss nicht, ob daraus Freundschaften entstehen oder ob das auch irgendwann einschlaeft. Aber ich bin guter Hoffnung.

    Achja, in der Abenddaemmerung im Wald. Das waere mal wieder was.

    Gruesse
    hmw

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