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Seife sieden – Vorwort und Sicherheitshinweise

Dieser Beitrag schrieb ich vor 4 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Ich bin in den vergangenen Wochen immer wieder auf mein Hobby angesprochen worden: ziemlich viele Leute haben mich auf ziemlich unterschiedlichen Wegen kontaktiert und mich um Ratschläge und Hilfestellungen bezüglich des Seifenmachens gebeten, und ich habe versprochen, dazu mal ein paar Blogartikel zu verfassen. Et voilá — hier ist der erste seiner Art. Jugendlichen empfehle ich dringend die Hilfestellung durch einen fähigen Erwachsenen.

Wie entsteht denn nun eigentlich Seife?

Kurz gesagt: verseift man Fette mit einer starken Lauge, so wird — etwas Planung, Geschick und auch Glück vorausgesetzt — Seife daraus.

Fette ist hierbei ein recht weites Feld: für die reinen Pflanzenseifen werden Pflanzenöle, -fette und -buttern immer wieder neu kombiniert und in Relation zueinander gesetzt; gerade im Bereich der Putz- und Waschseifen ist auch der Gebrauch von Rindertalg, geklärtem Entenfett etc. verbreitet. Ich stütze mich in meinen weiteren Ausführungen jedoch überwiegend auf die Pflanzenfette — Ausnahmen sind zum Beispiel Lanolin, das Wollfett der Schafe, oder Bienenwachs.

Und auch bei der Lauge sind Varianten denkbar: KOH, also Kaliumhydroxid, wird für die Herstellung von Kalilauge herangezogen, womit überwiegend Schmier- und Flüssigseifen (seltener auch Rasierseifen, dann in Mischung mit Natronlauge) hergestellt werden.

NaOH, Natriumhydroxid, wird zur Herstellung von Natronlauge genommen; ich arbeite ausschliesslich mit Natronlauge. Und zu dieser möchte ich vorab einige Worte verlieren:

Seife - Vorsicht! Ätzend!NaOH sowie Natronlauge sind gefährlich. Ihr solltet das nicht unterschätzen[0. Die meisten von uns kennen sie sogar schon — Abflussreiniger besteht überwiegend (wenn auch nicht zu 100%) aus NaOH. Um eine oft gestellte Frage vorweg zu nehmen: nein, zum Ansetzen der Seifenlauge darf keinesfalls Abflussreiniger genommen werden!]. Verkauft wird NaOH in Form kleiner Perlen und in gut schliessenden Plastikbehältern, welche immer ausserhalb der Reichweite von Kindern, Haustieren oder anderen unbelehrbaren und neugierigen Mitbewohnern gelagert werden müssen — die wiederum haben auch beim eigentlichen Vorgang nichts zu suchen, es ist einfach zu gefährlich.

Beim Ansetzen der Lauge muss unbedingt für gute Belüftung gesorgt werden — am besten macht man das gleich unter freiem Himmel, so möglich. Es riecht nicht so klasse, und man sollte die Dämpfe auch keinesfalls einatmen. Schon kleinste Mengen — einzelne Perlen, kleine Spritzer — können schlimme Verätzungen der Haut hervorrufen[0. Das kündigt sich durch ziemlich heftiges Jucken an — dann heisst es, schnell schnell mit Essig neutralisieren und gut nachspülen!] — im schlimmsten Falle zu Blindheit führen. Schutzkleidung — Schutzbrille, Handschuhe, Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt — ist Pflicht.
»Erst das Wasser, dann die Säure — sonst geschieht das Ungeheure!« — in gewisser Weise findet der Spruch auch hier Anwendung, denn würde man Wasser in den Behälter mit NaOH schütten, wären die Konsequenzen unvorhersehbar. Der umgekehrte Weg ist der richtige: in die abgewogene Menge (kalte, wenn nicht sogar gefrorene!) Flüssigkeit lässt man langsam die NaOH-Perlen einrieseln. Nun, und warum langsam? Die Flüssigkeit erwärmt sich massiv, während sich das NaOH darin löst — und zwar so schnell und so stark, dass das Ganze auch mal »überkochen« kann[0. Ein Zuckerthermometer leistet hier gute Dienste: die bislang höchste Temperatur, die ich beobachten durfte, waren etwa 93°C!].

Während Wasser »nur« heiss wird, können andere Laugenflüssigkeiten unschöne Seiteneffekte aufweisen: sie »verbrennen«, sie verfärben, und die Fettanteile beispielsweise von Milch fangen schon im Laugengefäss an zu verseifen… Der abgekühlten Lauge sieht man nicht an, dass es sich um Lauge handelt — sie darf keinesfalls versehentlich getrunken werden! Kann man die Lauge nicht im Aussenbereich ansetzen, sollte man es im Spülbecken tun — für den Fall, dass etwas überläuft.

Wichtig sind also: Schutzkleidung; langsames, konzentriertes und ungestörtes Arbeiten; und ein gewisses Mass an theoretischem Wissen.

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