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wall < "Das verlassene Casino"

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (So Feb 25 08:50:05 2007):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 12 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Keine Glasscheibe ist mehr heil. Zwei Eingangstüren, eine zugemauert, die andere, ehemals mit Spanplatten verschraubt und verschlossen, das Provisorium jedoch schon vor langer Zeit entfernt; aufgequollen vor Feuchtigkeit lehnt es achtlos an der Wand, der Eingang ein klaffendes Loch: Schwärze.

Der Raum dahinter ist sehr gross, gefliest, steril; unzweifelhaft eine Grossküche. Kühlräume, Lagerräume. Abgesägte Anschlüsse, die aus dem Boden ragen und bei Unachtsamkeit zu Stolperfallen werden. Der Boden übersät von Glassplittern und Unrat, einem herausgerissenen Wasserhahn. Aus unerfindlichen Gründen: ein Rasenmäher. Und doch: mit etwas Phantasie kann man sich die Geschäftigkeit vorstellen, welche hier geherrscht haben muss.

Die anderen Räume: dicker, gemusterter Teppich bedeckt den Boden, einst herrschaftlich, nun klamm vor Feuchtigkeit, die durch die Schuhsohlen dringt und uns frösteln lässt. Die doppelt verglasten Fenster und Türen sind hier nicht vollständig zerstört, aber fast, und sie sind sehr schmutzig: die aussenliegende Welt erscheint unerreichbar. Das Licht der schräg einfallenden rot-goldenen Februarsonne bricht sich tausendfach in den zerschlagenen Spiegeln.

Ein tiefliegenderer Bereich, Reste der Separées erkennbar im trüben Schein der unterdimensionierten Taschenlampe; eine Bühne mit elektrischen Einrichtungen, ein Sicherungskasten; durchtrennte Stromkabel hängen achtlos von der Decke, liegen auf dem Boden. Wir schleichen durch die Räume und spekulieren, was hier wohl einmal gewesen sein mag – Casino? Bordell? Und natürlich keine Kamera dabei. Unsere Stimmen zu hören beruhigt mich, denn in der völligen Stille, die ansonsten hier vorherrscht, wird mir klar, dass uns absolut niemand finden wird, sollte etwas passieren.

Die schwindende Sonne, die Feuchtigkeit; fast fühle ich mich wie in einem Jump&Run, laufe von Raum zu Raum, sammle Zauberpilze und begegne Teufelchen und keinen Monstern mit spitzen Zähnen: der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, und im Kopf entstehen tausend Geschichten, verrückt und wirr, verzweifelt und ängstlich. Und doch: hier haben Menschen gearbeitet, Energie investiert, Visionen diskutiert. Und wir wissen nicht einmal, was das alles eigentlich einmal war…

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  1. Pingback: Maobe´s Phantastische Welten » Böse Gesetzesbrecher: die ersten Bilder

  2. „The Great Giana Sisters“ in RL, wie nett :)

    PRESS 1 FOR ONE OR 2 FOR TWO PLAYER.

  3. cooler text, sehr passend beschrieben! :-)

  4. Das nächste Mal können wir Dich ja vielleicht mitnehmen – Du würdest staunen, wie nah das war!

  5. da wäre ich sehr gern dabei gewesen *neid*

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