Freuden des Fernstudiums

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Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Mi Apr 30 13:21:58 2008):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 11 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Es ist mal wieder grossartig: ein Kurs, so schlimm, dass er alleine nicht zu schaffen ist. Dafür bietet die FernUni Hagen in den Räumlichkeiten der Universität Saarbrücken eine Mentorenveranstaltung, in der der Stoff aufbereitet und erklärt werden soll; war diese Sache bislang immer ein »Service« der FernUni, so kostet es nun 60 EUR — die interessanterweise von der Uni Saarbrücken eingezogen werden.

Zugleich sind auf dem Saarbrücker Campus nun Parkgebühren fällig, und kann oder will man sich die nicht geben, latscht man erst einmal mehr als einen Kilometer durch den Regen. Die Mentorenveranstaltung findet zwischen 18h00 und 20h30 statt und wird regelmässig überzogen, um zumindest ein Drittel des anstehenden Materials wenigstens einmal gesehen zu haben.

Der Bachelor verkürzt die Regelstudienzeit von acht auf sechs Semester; leider wurde versäumt, auch die Inhalte entsprechend anzupassen — aus drei Klausuren wurde schlicht und ergreifend eine gemacht, die den Stoff aller drei beinhaltet. Was früher in vier Semestern vermittelt wurde, wird nun in einem (!) durchgezogen. Die Skripte sind unbrauchbar, die Übungsaufgaben unverständlich gestellt, die Musterlösungen fehlerhaft. Einsendungen per Post oder eMail werden nicht akzeptiert, stattdessen muss WebAssign eingesetzt werden; da dieses im Bezug auf Diagramme und boolesche Lösungen unvorteilhaft bis unbrauchbar ist, muss für die Einsendungen eine eigene Eingabesyntax eingehalten werden — was von dieser Syntax abweicht, wird automatisch als falsch gewertet.

Zum Ende der Bearbeitungszeit machen die WebAssign-Server regelmässig die Grätsche; das ist aber kein Mangel der Server oder gar der Uni, sondern allein Schuld der Studenten, weil die ihren Kram ja immer auf den letzten Drücker einreichen; die Empfehlung der Uni lautet daher, Lösungen möglichst zu Beginn der Bearbeitungszeit einzureichen, um diese Engpässe zu vermeiden.

Wie das gehen soll bleibt offen — die Sachen ohne Vorkenntnisse überhaupt binnen zwei Wochen zu bearbeiten grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit, von allem anderen ganz zu schweigen; kann man das WebAssign allerdings gerade nicht erreichen (Internal Server Error 500), so hat man Pech gehabt: es gilt die Deadline, und wer bis dahin nicht eingeschickt hat, hat gelitten.

Spannend wird das ohnehin in der Mitte des Kurses, wenn beide Kursteile sich auch noch überlappen: dann hat man für die Bearbeitung einer Einsendeaufgabe gerade noch eine Woche, und für ein Vollzeit berufstätiges Superhirn bedeutet das, dass in den Abendstunden — unabhängig davon, wie der Tag war — zumindest zwei bis drei Stunden investiert werden müssen.

Das bezieht sich aber nur auf die Leute, die das ohnehin alles können oder aber blitzschnell verstehen; Idioten wie ich verbeissen sich schon in Aufgabe 1.1, verknicken ihre Stabilos und pfeffern den gequirlten Mist irgendwann frustriert an die Wand.

Könnte ich nur einsehen, dass ich es nicht drauf hab; ich habe einen Job, und ich hab’s versucht — kann das nicht reichen? Aber dann sehe ich so viele, die nicht wissen, wie man eine Netzwerkverbindung einrichtet, einen DSL-Router konfiguriert, eine Festplatte austauscht — und die haben ein Diplom in Informatik. Wie kommt das?

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  1. Martin

    hatte eine Studienkollegin an der Uni: „ssh, was ist das?“ „wo gehört welches kabel da hin“
    sie hat ihre Mathevorlesungen bestanden und sich nach dem Vordiplom gefragt, soll ich nicht lieber Medizin studieren.
    ich hab mein Vordiplom an der Uni nur aus der Ferne gesehen, dafür hätte ich alle Punkte aus den Matheklausuren zusammengenommen, es hätte nicht für eine einzelne gereicht.
    -> hab dann die Fh in Info besucht und es hat geklappt.

    daraus folgt: ein studierter Info ist noch lange kein Nerd/Geek

  2. Ah und ich dachte du bist auf meiner alma mater eingeschrieben :D Kollegen von mir die dort zumindest Info studierten (Dipl) mussten sich nie mit derartigen Dingen herumschlagen. Der Dipl hatte noch den Vorteil das man sich diverse Kenntnisse nebenher aneignen konnte, beim BC so gut wie unmöglich.

  3. tjo, die erste erkenntnis damals auf der fh war für mich: informatiker zu sein, bedeutet nicht automatisch auch ahnung von den geräten und der infrastruktur zu haben

  4. Hallo,

    als ich noch ein junger Mann war, konnte man ein Informatikdiplom erlangen, ohne Festplatten wechseln zu koennen. Das war sogar garnicht vorgesehen. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich wusste auch nur, was eine Festplatte ist, weil ich in den Unterlagen einer befreundeten FH mal ein Bild davon gesehen hatte. Der dortige Prof -nun schon in einer besseren Welt- hatte eine handgemalte Skizze und daneben einen eindrucksvollen Betrag in Deutschmark in seinem Skriptum.

    Ich erinnere mich noch dunkel daran, dass ein Uniabschluss eher zum wissenschaftlichen Arbeiten befaehigen sollte und man zum Wechseln von Festplatten und zum Transformieren von Entwuerfen in Quelltext ja gut Inder gebrauchen kann. So hoerte ich es zumindest im ersten Semester. Mittlerweile scheint sich aber die Erkenntnis durchzusetzen, dass ein Mindestmass an handwerklichen Faehigkeiten auch nicht schaden kann ;). Wenn ich heute noch von Dingen zehren kann, sind das meist solche, die ich beim Schwaenzen von Vorlesungen gelernt habe ;).

    Ansonsten ist ein berufsbegleitendes Studium schon so eine Sache. Da muss man schon ein bischen auf Schmerzen stehen ;) und Durchhaltevermoegen mitbringen. Von Problemen mit den Einsendeaufgaben hoert man ja oefter mal. Eine gewisse Monopolstellung duerfte die Sache nicht einfacher machen.

    Gruesse

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