Ich möchte bloggen! - Teil 1: Wo anfangen?

Diesen Beitrag schrieb ich 6 Jahre und 11 Monate zuvor; die nachfolgenden Ausführungen müssen heute nicht unbedingt noch genau so funktionieren. Behalte das beim Lesen (und vor allem: beim Nachmachen!) bitte stets im Hinterkopf.

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Du möchtest bloggen, und ich möchte dir die technische Seite näher bringen. Ich bemühe mich sehr darum, möglichst kein Technik-Bullshit-Bingo zu spielen, aber du wirst sehen: ganz ohne geht es nicht. Und wenn du dir wirklich ein Blog aufbauen und pflegen möchtest, dann wirst du nicht umhin kommen, dich (neben knackigen Inhalten) mit technischen Dingen zu beschäftigen.

Wer löten möchte, benötigt Lötkolben und Lötzinn. Und wenn es auch egal sein mag, wo und wie dieser Lötkolben hergestellt wurde, so muss man doch wissen, wie man ihn hält – und an welchem Ende er heiß wird. Beim Bloggen ist das nicht anders: lehnst du die technische Seite dahinter von Grund auf ab, wirst du wenig Freude an der Sache haben. Du hast Spaß am Schreiben, vielleicht hast du sogar schon einige Texte verfasst und fragst dich nun, wie du sie veröffentlichen könntest. Blogs sind in aller Munde, und auch du hast schon den Tip erhalten: fang doch an zu bloggen. Doch wo? Und wie? Du bist verunsichert, weil du auf der technischen Seite nicht so ganz durchblickst und deine Bekannten sich widersprechen – was dich gleichermaßen hemmt und nervt. Dass du für ein Blog Inhalte produzieren musst weißt du selbst, dass du regelmäßig und einigermaßen fokussiert schreiben solltest auch, und zu den Themen Leserkreis und Blog-Aufbau gibt es so viele Artikel, die das so viel besser beschreiben als ich es könnte – aber ich möchte auf technischer Seite ansetzen, die meist nur in Nebensätzen abgehandelt wird, aber einen nicht unwesentlichen Bestandteil der Basis darstellt.

Einsteiger sollten das Bloggen im ersten Schritt als Hobby angehen.

Ich empfehle initial einen Weg ohne Streben nach Profit, mit viel Geduld und der Bereitschaft, sich einzuarbeiten und zu lernen. Welcher ist dein Anspruch, was sind deine Ziele? Diese Fragen sind grundlegend, sie werden deine weiteren Entscheidungen beeinflussen. Möchtest du eine Art Online-Tagebuch verfassen, das du später gegebenenfalls auch deinen Kindern zugänglich machst? Möchtest du eine Spielwiese, auf der du dich mal so richtig auskotzen und Frust ablassen kannst? Möchtest du praktische Anleitungen und Tips festhalten? Möchtest du Kooperationen eingehen, Werbung schalten, bekannt werden? Das Schwierige an diesen Überlegungen ist, sie nicht nur für den Moment zu treffen, sondern schon jetzt zu überlegen: wo könnte ich in drei Jahren stehen? Wo stehen dann meine Kinder, wo meine Präsenz? In fünf Jahren? In sieben? Über all diesen Überlegungen steht die fast schon wichtigste von allen: möchtest du deine Identität und die deiner Kinder preisgeben?

Dass diese Überlegungen sind nicht aus der Luft gegriffen sind, möchte ich dir anhand meiner eigenen Website verdeutlichen: wie du vielleicht weißt, war ich nahezu 10 Jahre lang als localwurst im Netz unterwegs. Daraus ergaben sich Top Level Domain (TLD), Twitter-Account, Facebook-Seite und so weiter… mit der Zeit kommt einiges zusammen. Und dann war der Punkt erreicht, an dem ich mich mit der localwurst nicht mehr identifizieren konntePia von daily-pia.de hat diesbezüglich Ähnliches erlebt, und sie war wie ich eine ganze Weile damit beschäftigt, ihr digitales Ego zu sanieren. Das ist ziemlich viel Aufwand, an manchen Stellen muss man Kompromisse eingehen. Und manches bleibt ganz auf der Strecke.

Ich habe mich also umbenannt – das Internet kennt mich jedoch nach wie vor ebenfalls als localwurst. Mir ist das weder peinlich noch finde ich es schlimm, weil ich bloß nicht als localwurst weitermachen wollte – es macht jedoch deutlich, in welchem Maße das Internet nicht vergisst, und das ist ein Faktor, der gerne unterschätzt wird. Geh also im schlimmsten Falle davon aus, dass alles, was du im Internet zur Verfügung stellst, auffindbar bleiben wird – für immer und ganz egal was du tust.

Viele Artikel befassen sich mit der Frage, welche Rechte Kinder im Internet in Bezug auf Privatsphäre haben; dazu sagen andere Menschen klügere Dinge als ich, einen tollen Artikel mit weiteren Verweisen findest du bei Das Nuf. Ob du Klarnamen angibst oder nicht, ob und wenn ja welcher Art Photos du einstellst – es sei dir überlassen, es liegt in deiner Verantwortung. So hat beispielsweise Kathrin von nestling.org im Nachhinein all ihre Artikel überarbeitet, und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse diesbezüglich sind sehr lesenswert. Jedoch: das Web ist groß, und es wird täglich größer. Und wenn „The Internet Archive“ und Datenkrake Google auch noch Begriffe sein mögen – wer weiß, was irgendwo Daten sammelt, gänzlich ohne unsere Kenntnis.

Sei dir bewusst, dass die Entscheidungen, die du jetzt triffst, später nicht ohne weiteres korrigiert werden können.

Deine Überlegungen sind nun abgeschlossen? Du weißt, wie du es angehen möchtest, es geht nicht mehr um das OB, sondern nur noch um das WIE? Du hast eine Idee, eine Vision, ein Konzept? Großartig! Dann geht es jetzt an die Umsetzung, für die es grundsätzlich zwei verschiedene Herangehensweisen gibt:

  1. Du erstellst dir ein kostenloses Blog bei einem Anbieter (es gibt mehr, hier nur eine kleine Auswahl der bekanntesten)
  2. oder du registrierst dir eine Domain und übernimmst die Kontrolle weitestgehend selbst.