Simon Beckett Kalte Asche

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Broadcast message from iRainer@unixe.de (pts/1) (Mo Apr 12 09:07:38 2010):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 9 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Heute meldet sich der Gastautor iRainer zu Wort. Viel Freude beim Lesen!

Der Plan bestand darin, sich ein paar spannende und interessante Bücher für den Urlaub zu kaufen und so fiel nach dem Studium diverser Bestsellerlisten und der Frage „was könntest Du mir so empfehlen“ unter anderem die Wahl auf „Kalte Asche“ von Simon Beckett. Denn: „Die Chemie des Todes“ sei sehr gut gewesen, von daher der Autor vermutlich zu empfehlen. Gesagt, getan: das Buch wurde (nebst anderen, deren Kritik hier ebenfalls folgen wird) gekauft.

Eines Vorweg: es hat durchaus Spass gemacht, das Buch im Urlaub zu lesen; jedoch hinterliess das Buch bei mir nicht unbedingt den Eindruck extrem gut unterhalten worden zu sein. Es entstand der Eindruck, dass der Autor sich an den Leitfaden „10 Dinge, die eine Kriminalgeschichte braucht“ gehalten hat, denn die Handlung enthält so ziemlich sämtliche Klischees aus dem Krimi-Umfeld um Spannung zu erzeugen:

  • Am Anfang steht ein Kriminalfall an einem abgelegenen Ort
  • zu dem der brilliante Forensiker David Hunter abkommandiert wird, um sich aufgrund eines aktuellen Personalmangels um „diese Kleinigkeit“ zu kümmern, bis die eigentliche Spurensicherung etc. eintrifft.
  • Er ist dabei der klassische Polizeiheld, der aufgrund seiner beruflichen Brillianz und Hingabe ebenso viele private Probleme hat, die ihn umtreiben, ohne diesen aber allzu viel Zeit zu widmen.
  • Unser Held landet auf einer von Naturgewalten gebeutelten abgelegenen Insel, welche diese nach seinem Eintreffen quasi von der Aussenwelt abschneiden und wo er
  • auf eine Handvoll mürrischer, misstrauischer und undurchsichtiger Einheimischer trifft.
  • Innerhalb der kurzen Zeit nur einer Woche gelingt es ihm unter Aufbietung übermenschlicher Kräfte, fast ohne Schlaf, entgegen allen Widrigkeiten der Naturgewalten, wenig kooperativer Bevölkerung und diversen Versuchen seine Ermittlungen zu sabotieren, nicht nur das Verbrechen aufzuklären, sondern auch in die dunklen Ecken der anderen Protagonisten zu leuchten und deren Geheimnisse aufzudecken.
  • In der Inselwelt gibt es dann das zurückgebliebene Mädchen, den pickelgesichtigen Jungen, die schroffen Hafenarbeiter, die alleinerziehende Herbergsbesitzerin, die Klatschreporterin, den sympatischen jungen Polizisten und den unsympathischen älteren, trinkenden Polizisten, einen eifersüchtigen Dorflehrer und -arzt, sowie das neu hinzugezogene, wohlhabende Villenbesitzer-Pärchen, das sich als Gönner der Insel sieht und die Frau durch ihre Schönheit allen Männern den Kopf verdreht.
  • Ihm zur Seite steht der allein und zurückgezogen lebende pensionierte Polizist als Mitermittler.
  • Die Handlung vollzieht dabei gegen Ende zahlreiche Wendungen bis zur tatsächlichen Lösung des Falles
  • und zu guter Letzt wo man nicht mehr damit rechnet, wird der Protagonist in weitere tragische Ereignisse verwickelt, um einen schönen Cliffhanger zu produzieren.

Das Buch ist im gesamten recht kurzatmig: 432 Seiten, in denen sich in schneller Abfolge die Ereignisse überschlagen. Dabei ist der eigentliche Kriminalfall recht klassisch: keine perfiden Morde mit noch perfideren Mordwerkzeugen, keine grossen Machenschaften, Verschwörungen oder Intrigen; auch bei allem Detailwissen um verschiedene Sachverhalte liess es mir auch keinen wirklichen Schauer über den Rücken laufen. Kurz, ein „Ich-kann-das-Buch-nicht-aus-der-Hand-legen-und-muss-weiterlesen“-Drang hat sich nicht gerade eingestellt.

Somit hinterlässt es einen etwas schalen Eindruck: es ist per se kein schlechtes Buch, die Story ist solide und als Urlaubslektüre durchaus geeignet, aber es hat trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Endes nicht den Drang ausgelöst, sofort in die Bücherei zu rennen und mehr über David Hunter zu lesen.

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  1. Ich weiss ja nicht — nach der Lektüre des Buches war ich quasi völlig ausser Atem, da die Ereignisse in derart rascher Abfolge aufeinandertrafen. Was sich wie ein roter Faden durch die Handlung zog: das permanent schlechte Wetter. Es regnet, es hagelt, es stürmt, dann auch noch Stromausfall, das Ganze aufgefrischt durch eine Feuersbrunst. Wann der Held der Geschichte eigentlich einmal schläft, bleibt weitestgehend unklar, und seine persönliche Beziehung zu seiner Freundin (und insbesondere, dass diese seinen Job selbstverständlich ablehnt) wirkt konstruiert. Ich glaube ja immernoch, dass der Autor das Ende des Romans bei Thomas Harris (»Roter Drache«) abgekupfert hat :D

    Ich kann mich iRainer nur anschliessen — nette Urlaubslektüre.

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