Unordnung Workflow

wall < "Unordnung – im Kopf. Und so."

Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Mi Aug 25 16:49:10 2010):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 8 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

Ist man ständig am Umbauen, so kann man eines sicher nicht dauerhaft halten: Ordnung. Ständig werden $DINGE von einem Zimmer ins nächste transportiert, provisorisch untergestellt, temporär ausgelagert. Ich räume, ich fluche — und irgendwann beginne ich zu sortieren.

Es begann ganz unschuldig mit dem Kleiderschrank; und dem Eingeständnis, dass manche Kleidungsstücke einfach nicht mehr so sitzen wie noch vor 10 Jahren. Im Gegensatz zu sonst war es keine oberflächliche Sichtung, sondern ging sogar bis hinunter zur Ebene der defekten oder gar verwaisten Socken. Dann war der Klamottenbestand sortiert, doch ich hatte (im übertragenen Sinne) Blut geleckt. Und inzwischen hat sich der Aufräum-, Ausmist- und Sortierwahn in jedem Winkel breitgemacht, einen sanften Wohlgeruch verströmend und leise fröhliche Melodien vor sich hin summend — sogar die Festplatte ist sortiert, alle Backups auf Stand, iTunes aufgeräumt, alle Files benamt, in die korrekten Kategorien gestopft und mit Artworks versehen.

Ein Schrank voller Kram scheint wie ein Hirn voller schlechter Gedanken zu sein, macht mich unfroh, blockiert mich; und mit jedem Stück, das entweder rausfliegt oder aber einen wohldefinierten Platz einnimmt merke ich, wie mir leichter wird. Alter Ballast scheint mir mit die wirksamste Methode zur Errichtung geistiger Blockaden zu sein, und es ist nicht eben leicht, ihn fachgerecht zu entsorgen. Doch es lohnt sich — denn wo zuvor Unordnung herrschte, ist nun Platz zum Ausbreiten, wo vorher Müll lag, können sich nun neue, hübsche Dinge anhäufen. Dinge, von denen man nicht gedacht hätte, dass man sie einmal anschaffen würde. Dinge, von denen man nicht geglaubt hätte, dass man sie sich jemals leisten kann. Dinge oder Gedanken — sucht es euch aus.

Probiert es aus — es lohnt sich.

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  1. Hm, ja, kann Ich absolut bestätigen. Die Wohnung ist durchaus Ausdruck des inneren ihres Bewohners. Die Wohnung aufzuräumen, bedeutet auch sich selbst aufzuräumen.

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