Re: AW: Du bist so offline

Diesen Beitrag schrieb ich 1 Jahr und 10 Monate zuvor; die nachfolgenden Ausführungen müssen heute nicht unbedingt noch genau so funktionieren. Behalte das beim Lesen (und vor allem: beim Nachmachen!) bitte stets im Hinterkopf.

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Am 10. Dezember 2019 habe ich meinen letzten Tweet abgesetzt und war seither nur noch lesend auf Twitter unterwegs – und auch das nur stichprobenartig. Aber ja: ich bin noch da.

Mir geht es nicht gut. Es ist unpopulär, das so zu sagen, ich weiß. „Kannst du auf die Frage, wie es dir geht, nicht einfach mal ‘KLASSE!’ antworten?!“ fragte neulich jemand, als ich nur „Muss halt…“ brummelte – was meiner Naivität entspringt und der Annahme, dass der fragende Mensch ernsthaft an einer Antwort interessiert sein könnte. Note to myself: meist geht es lediglich um die Eleganz der Frage. Wenn überhaupt.

Mir geht es nicht gut, und auf die Details werde ich hier nicht eingehen. Obgleich ein wirklich wunderbar gelungener Artikel dazu fertig ist, herunter geschrieben an einem Abend und aus tiefster Seele kommend, aber einen Teufel werde ich tun ihn zu veröffentlichen in einer Welt, die mir zunehmend grauer, der Tonfall mir zunehmend rauer erscheint. 2019 war mein bisher schwächstes Blog-Jahr überhaupt, aus Gründen. Die Spitze des Eisberges stellen stetig schlimmer werdende Schlafstörungen mit wiederkehrenden Albträumen dar, eine Problematik, die vielen Lesenden hier nicht unbekannt ist wie ich inzwischen weiß – das muss genügen.

Long story short: Twitter habe ich für den Moment den Stecker gezogen, weil ich Nerdsplaining in all seinen Facetten nicht mehr ertragen kann. Das mag ein Effekt sein, der auch durch die Größe meines Accounts verstärkt wird, aber eigentlich ist das ja egal – viel zu häufig möchte ich die Gegenseite anschreien was ihr eigentlich einfällt. Die Dichte der Replies from hell ist deutlich zu hoch, um dem Medium derzeit noch einen Mehrwert zusprechen zu können: ich kann kaum einen Tweet absetzen, ohne dass meine Person, mein Job, meine Fachkenntnisse ganz frech und offensiv in Frage gestellt werden. Und dann sagt ihr ich müsse mich wehren, müsse Dinge klar stellen, dürfe mir das nicht gefallen lassen und ihr habt recht – aber dann sind wir wieder am Anfang des Artikels: mir geht es nicht gut. Ich bin müde. Ich bin es leid, klarstellen und kämpfen und mich wehren zu müssen, ich tue das nämlich schon seit über 20 Jahren. Es ist kein neues Problem, aber statt dass es sich bessert wird es immer schlimmer. Und mir geht die Puste aus. Ich werde meinen Twitter-Account nicht stilllegen – ich mag meine Bubble dort und vermisse sie. Und nur für euch ist dieser Artikel, weil die Frage gestellt wurde wo ich eigentlich abgeblieben bin – nun, ich bin hier. Ich schmolle nicht und bin nicht beleidigt; ich unterziehe den Account seiner jährlichen Revision und überlege, wie es weitergehen könnte – auf mehr als einer Ebene.

Auch das dringend nötige Webseiten-Redesign habe ich inzwischen erfolgreich durch – die WordPress-Datenbank von 111MB auf 35MB bereinigt, ohne irgendwelche Beiträge oder Kommentare zu löschen. Gestört, was sich da über die Jahre anhäuft! Ich wünschte, ich könnte mein Gehirn auf ähnliche Weise entrümpeln. Dabei ist mir aufgefallen, wie anders ich das Blog vor 10 oder 12 Jahren doch noch verwendet habe: so viele Dinge haute ich zwischenzeitlich über Twitter raus, wo sie sofort untergingen – hier wären sie viel besser aufgehoben gewesen. Ich möchte mich ein Stück weit wieder in diese Richtung bewegen, Inhalte hier zu konzentrieren. Gerade entdecke ich beispielsweise ein Album für mich, dass schon länger auf dem Markt ist, das ich nicht recht auf dem Schirm hatte – obgleich ich „Muse“-Fan der ersten Stunde bin: Drones ist großartig, und vor allem der Song „The Handler“ macht mich fertig – hört euch doch mal an, was der Bassist da veranstaltet 😍 Das Video zu „Aftermath“ fällt ein Stück weit aus dem Rahmen, ist aber sehr sehenswert (und erinnert mich, auch musikalisch, an die Dire Straits, oder? „Brothers in Arms“?). Vor vielen Jahren hätte ich die Chance gehabt, günstig auf ein Konzert zu kommen und habe sie nicht genutzt, dabei ist die Band auch live so toll. Inzwischen ist sie aber auch alles andere als ein Geheimtipp, und ich schrecke vor den Menschenmassen zurück…

Ich werde jetzt Baumkuchen backen; der ist gar nicht mal so weihnachtlich, wie ich immer dachte – eigentlich kann man den prima das ganze Jahr über essen. Und alle freuen sich immer drüber! Wir sollten alle mehr Baumkuchen backen.