Das ist blaues Licht

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Broadcast message from spillerm@unixe.de (pts/1) (Mi Mrz 25 12:38:23 2015):
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Diesen Beitrag schrieb ich vor 4 Jahren. Behalte das beim Lesen bitte im Hinterkopf.

»Und was macht es?«
»Es leuchtet blau.«
— Brüllendes Gelächter.

Man wird schnell zu einem freakigen Aussenseiter, wenn man bei Filmzitaten wie diesem nicht mitlachen kann. Schlimmer noch: wenn diese Situation gehäuft auftritt. Denn schliesslich ist Rambo III sozusagen Allgemeinwissen, den muss man kennen denn sonst hat man was verpasst beziehungsweise — wenn es denn ganz schlimm kommt — man stirbt dumm. Wobei der jeweilige Titel natürlich von dem Gegenüber abhängt, mit dem man gerade spricht: so sind die einen davon überzeugt, dass ich ohne Kenntnis von M*A*S*H definitiv dumm sterben werde, andere nehmen es geradezu persönlich, dass ich Dogma nie gesehen habe, und wieder andere berichten nur allzu ausführlich vom letzten Tatort.

Ich könnte nun meine Kinder als Grund für meine Kino-und-Fernseh-Abstinenz vorschieben, aber das wäre maximal die halbe Wahrheit: der wahre Grund ist, dass ich das Anschauen von Filmen, Serien & Co. für mich als Zeitverschwendung empfinde, als vertane Zeit, in der ich etwas Sinnvolles hätte tun können. Den Fernseher laufen zu lassen, während ich eine Handarbeit mache oder das Aquarium reinige oder die Bügelwäsche erledige ist okay, aber für »fernsehen um des Fernsehens Willen« habe ich buchstäblich keine Geduld, springe früher oder später auf — oder schlafe einfach ein.

Abends zum Beispiel verbringe ich ja inzwischen sehr viel Zeit mit Zuschneiden und Nähen, und bei absoluter Stille geht das einfach nicht. Meine Playlists öden mich auf Dauer aber auch ein wenig an, und für Hörbücher habe ich kein Faible. Also schalte ich mir Serien an — und höre zu. Oder halt auch nicht, wenn die Nähmaschine gerade rattert. Ich kenne alle Folgen von Desperate Housewives, gesehen habe ich aber nur zwei davon. Das findet ihr freakig? Es wird noch schlimmer: langweilige Filme sind eine sehr sichere Methode, mich zum Schlafen zu bringen; als ich das erkannte, habe ich mittels ffmpeg die Tonspur von Titanic aus dem Film extrahiert und als MP3 auf den iPod gestopft. Kann ich nicht einschlafen — 200x »Jack!« und »Rose!« wirkt garantiert.

Dazu — oder hierdurch? — kommt meine sehr geringe Toleranz gegenüber Gewaltszenen oder Horror, mir geht sowas nach, ich schlafe schlecht, ich heule mit; so fand ich Breaking Bad wirklich grossartig, bin über die erste Staffel jedoch nicht signifikant hinausgekommen — ich war selbst im 6. Monat schwanger, und der Plot ging mir echt bei. Ich kenne eine Handvoll Serien, habe aber (im Gegensatz zu meiner Umwelt) auch nicht den Eindruck, dass mir etwas fehlt.

Natürlich gibt es da diese Ausnahmen, diese grossen Filme, diese genialen Dokumentationen — oder Filme, die einen wirklich interessieren, die wenig bis keinen Bildungsanspruch haben und trotzdem einfach geil sind; die man sich dann auf DVD oder BR organisiert, um sie werbefrei sehen zu können, fesselnde Filme — doch was Kult ist, definiere ich ganz für mich persönlich. Das ausschliessliche Starren auf die Mattscheibe ist hier eigentlich den Zeiten vorbehalten, in denen man krank auf der Couch liegt und sonst wirklich nichts tun kann, und das gilt auch für die Kinder: das Baby, gerade ein Jahr alt, hat die Flimmerkiste noch nie in angeschaltetem Zustand erlebt. Und das arme Kind (3½) kennt einige Disney-Filme und den Barbapapa. Manchmal würde mir das Einschalten des Fernsehers sicher das Leben erleichtern — beispielsweise dann, wenn ich krank bin, die Kinder aber nicht — auf die Idee komme ich/ das Kind in solchen Momenten bloss gar nicht. Bei der Vorsorgeuntersuchung zum 3. Geburtstag des Kindes hin musste ich ihren täglichen Fernsehkonsum angeben — der minimal mögliche Wert waren 30 Minuten. Täglich! Das gab mir zu denken. Auf den Wert kommen wir im Monat — vielleicht — und das nicht, weil ich es grundsätzlich ablehne, sondern weil es so viel Spannenderes, Interessanteres, Lustigeres da draussen gibt…

Man unterstellt mir da, scheint mir, einen gewissen Snobismus, ich sehe es eher als ein Setzen von Prioritäten: das häufige Schauen von Filmen und Serien ist ein zeitintensives Hobby, und entgegen dem Mainstream betreibe es halt einfach nicht. Ich lehne es nicht ab, ich finde es nur öde. Ich gönne es jedem, der es gerne tut, und beneide auch ein wenig den, der die Musse dazu hat, denn ich bin eher wie ein Flummi — aber ich will mich auch nicht mehr diskriminieren auslachen lassen, bloss weil ich Avatar nie gesehen habe. Dafür habe ich zwei Bücher gelesen, drei Pullover und eine Tasche genäht und einen Block Seife gesiedet und dabei meine neue CD gehört. Jedem seines, oder?

Wie handhabt ihr das? Seid ihr Junkies, könnt ihr auch ganz gut ohne? Empfindet ihr es als »guten Ton«, mitreden zu können?

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  1. „sehr geringe Toleranz gegenüber Gewaltszenen oder Horror, mir geht sowas nach, ich schlafe schlecht, ich heule mit“

    Ich bekomme langsam Angst. Ehrlich.

    Das kann doch alles nicht wahr sein. Das kann doch alles kein Zufall sein.

    Das blaue Licht kennen wir übrigens auch beide nicht …

  2. Ich muss sagen, Serien treten bei mir meist geballt auf. Das bedeutet, es wird von einem Medium geschaut bei dem es keine (Zwangs) Werbung gibt. Meist Staffelweise. Das bedeutet dann knapp eine Woche (wenn möglich) jeden Abend 1-3 Folgen. Da es aber auch nur ein paar Mal im Jahr vor kommt dann immer besonders zelebriert und intensiv.

    Für mich gibt es auch vieles was ich eher mache als Fernsehen, meine Frau braucht es aber teilweise zum Abschalten und runterkommen.

    Das Kind hat im Alter von 3 auch nur den Bilderrahmen mit schwarzer Fläche gekannt, mittlerweile (fast 7) gibt es aber die Maus und div. Koch oder Tiersendungen, wenn es in den Alltag passt (geschätzt nicht mehr als 2h die Woche) – wobei er sich auch schnell langweilt und dann lieber was spielt.
    Ich kenne auch oft Dinge nicht aus Serien, dafür gab es eine Zeit in meinem Leben wo ich mindestens zweimal die Woche im Kino war und so ziemlich viel gesehen habe (von ca. 16-21) – mittlerweile entdecke ich einen Trailer, denke mir ‚den Film musst du dir ansehen und beim nächsten dran denken kann der schon auf DVD gekauft werden …
    Jedem das seine, Hauptsache glücklich

  3. Ich kann das durchaus nachvollziehen, war selber allerdings Zeit meines Lebens schon irgendwie „TV Junkie“. Serien, Trash-TV, Filme konnte ich mir stundenlang reinziehen und hatte auch irgendwie nicht das Gefühl, irgend etwas verpasst oder vernachlässigt zu haben.
    Mittlerweile gucken meine Freundin und ich allerdings kaum noch „TV“ im klassischen Sinne, sondern haben halt Abends beim oder nach dem Essen unsere 1-3 Stunden, in denen wir die aktuellen Serienfolgen, auf die wir grade Bock haben, weggucken und am Wochenende meists so 1-2 Filme am Abend.
    Aber auch nicht um „mitreden“ zu können, sondern mehr für uns selber. Es gibt halt wirklich ganz grossartige Serien und Filme, die ich einfach gerne um ihrer selbst gesehen haben möchte und teilweise immer und immer wieder angucken kann. :D

  4. Ich fuer meinen Teil schaue nie einfach Fernsehen, weil mir die Werbung gegen den Strich geht und einfach nicht dann das laeuft was ich sehen will, wenn ich es sehen will. Statt dessen schaue ich dann via Netflix Serien wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Mal in der Mittagspause eine Folge beim Essen, waehrend einer Bereitschaftsnacht, in der ich sowieso nur auf Datentransfers warten muss eine Staffel…

    Ansonsten bin ich in letzter Zeit allerdings auch wieder sehr von meinem Serienkonsum abgekommen. Entweder arbeite ich fuer die Firma, arbeite fuer meine privaten Projekte oder zocke lieber mit einer Gruppe an Leuten zusammen CS… Filme… Keine Ahnung wann ich meinen letzten Film gesehen habe… Irgendwann mal als ich keinen Bock auf irgendwas hatte…

  5. Dogma ist aber wirklich auch ein guter Film… :D

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