Jahresrückblick 2024
2024 neigt sich dem Ende zu. Und obgleich ich erwogen hatte, ihn ausfallen zu lassen: es ist Zeit für den obligatorischen Jahresrückblick.
Und es ist auch gut, dass ich ihn eben nicht habe ausfallen lassen, denn die letzten überaus harten Wochen haben den Eindruck erweckt, das Jahr sei insgesamt schlecht gewesen. Durch das Schreiben wurde mir deutlich: das war es nicht. Es war fordernd, es war anstrengend, aber wirklich furchtbar waren in erster Linie seine letzten Wochen…
- Der Auftakt
- Das erste Quartal – mit letzter Kraft
- Das zweite Quartal – viele erste Male
- Das dritte Quartal – #endlichKüche
- Das vierte Quartal – Vollbremsung
Der Auftakt
Den Auftakt fand das Jahr überraschenderweise direkt an Silvester: mit dem Gedanken #KeinerBleibtAllein – was ja irgendwie auch die Grundidee hinter #tabsvongesternnacht gewesen war – öffnete ich Jitsi für diesen Abend. Zu meiner großen Freude – und ja, auch Überraschung – blieb ich tatsächlich nicht allein; über den Abend kamen und gingen – oder blieben – Leutchen, schwenkten Gläser und richteten gute Wünsche fürs neue Jahr in Richtung Kamera, hatten Hefeteig und benutzten ihn, lachten und erzählten. Ich hatte Angst gehabt vor diesem Jahreswechsel, denn er würde den Tod meines Vaters nach „letztes Jahr“ verschieben. Aber dann wurde es, völlig wider Erwarten und trotz aller schwerer Gedanken, eine großartige Nacht.
Ja okay, die letzte Nacht war auch nicht viel mit Schlaf. Macht fürs Gemüt aber einen riesigen Unterschied, ob’s nicht ist weil’s einfach nicht geht oder ob’s nicht ist weil man sich entgegen jeder Vernunft zum Wachbleiben entscheidet. Ich bereue nichts 😎 – 1. Januar 2024, 15:14, Mastodon
Das nahm ich als Zeichen für ein Jahr 2024, das in meinem Sinne verlaufen würde.
Das erste Quartal – mit letzter Kraft
Allerdings hatten mich die Sterbebegleitung und der Tod meines Vaters sozusagen zerlegt – wie sehr, sollte ich in den ersten Wochen 2024 überhaupt erst begreifen. Es ist beinahe schon unheimlich, mit wie wenig Schlaf man doch irgendwie leidlich funktionieren kann – mit leben hat das allerdings nicht mehr viel zu tun. Die Wahrnehmung leidet, die Konzentration, die Geduld, die Haut…
Im Laufe des ersten Quartals war ich in Frankfurt. Einer Stadt, die ich eigentlich nicht mag, aber sie hatte zufälligerweise eine Loriot-Ausstellung im Caricatura-Museum – dafür muss man sie doch lieb haben. Jetzt bringt Frankfurt mich zum Lächeln – erst recht, wenn ich die A5 entlangfahre, was ich ja immer wieder mal tue…
Die Steinlaus, der possierliche kleine Nager!
Obgleich ich Hubi in diesem Jahr sträflich vernachlässigt habe (Übermüdung ist einer der besten Gründe, das Motorrad stehen zu lassen), habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt und bin zwei BMW-Motorräder Probe gefahren: die F900 XR und die R1250 RS. Nicht, weil ich tatsächlich eine davon haben möchte – Maurice würde mir sowieso nichts verkaufen – sondern einfach nur, weil’s geht. Erstere wäre mein Favorit.
Was in diesem Quartal auch passierte: der ungemütliche Rohbau AKA „Rumpelküche“ verwandelte sich, teils mit freundlicher Unterstützung, nach und nach in Wohnraum. Ich hatte es so satt, in der Badewanne zu spülen. Es machte mich so wütend, maximal auf einer portablen Doppelkochplatte kochen zu können. Und der Anblick des Rohbaus deprimierte mich so sehr, der Dreck, das Ungemütliche. Vermutlich mobilisierte das letzte Kräfte, keine Ahnung, denn Energie hatte ich eigentlich überhaupt keine. Aber ich hantierte mit Rollputz und Glasfasertapete, Latexfarbe und Maleracryl, ich spachtelte und fuchtelte und kletterte auf Leitern herum. Und das, da Streichen ja zum Beispiel keinen Krach macht, durchaus bis morgens um vier.
Das zweite Quartal – viele erste Male
Im zweiten Quartal des Jahres beschäftigte ich mich zwangsweise und sehr eingehend mit dem Thema „Küchengroßgeräte“: Kochfeld, Backofen und Spülmaschine wollten angeschafft werden. Aus Spaß hängte ich einen Shelly-Plug-S an den Kühlschrank; und nachdem ich meinen Herzinfarkt ob der Verbrauchswerte überwunden hatte, war klar, dass auch ein neuer Kühlschrank angeschafft werden wollte. Dabei konnte ich mich dummerweise an nichts Bestehendem orientieren, denn die Küchenmöbel wollten ja auch überhaupt erst einmal angeschafft werden. 🤯
Es war eine enorme Planungsaufgabe, für die mir eigentlich Kraft und Gehirnkapazität fehlten: Backöfen mit Sensor-Touch, Spülmaschinen mit Disco-Lichtern, räumliche Begebenheiten (Abfluss!), persönliche Präferenzen („Der Backofen muss aber in einen Hochschrank!“)… Mehr als einmal dachte ich: „Niemals schaffst du das.“ Doch schließlich waren die Elektrogroßgeräte bestellt; und dann auch die Küchenmöbel. Das alles wäre einen eigenen Artikel wert. Und ich habe die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben, dass ich den schreiben werde. Wenn auch nicht mehr in diesem Jahr.
Dass derweil Muffi-das-Auto ständig kaputt war, machte es weder leichter noch kosteneffizienter. Ich lernte, dass AdBlue eine begrenzte Haltbarkeit hat, und es kann kristallisieren – vor allem in den halbtransparenten Kanistern, in denen es üblicherweise verkauft wird, aber auch, wenn man es einfüllt und sich „älteres“, also noch im Tank befindliches, und neues AdBlue mischen. Ich hätte das gerne gewusst, bevor es mir die AdBlue-Pumpe zerlegt hat. So habe ich das nun auf eine sehr teure Art gelernt.
Trotz allem hätte es noch schlimmer kommen können, denn das unfassbare Hochwasser sorgte für den Dammbruch eines Weihers, wodurch das gesamte Gelände der Autowerkstatt – Hallen, Parkplätze, Verkaufsräume – vollständig überflutet wurde. Es fehlte nicht viel, und auch der für „deutlich vierstellig“ frisch reparierte Muffi wäre abgesoffen. Also: Glück gehabt.
Sehr hinreißend war auch die Aktion, bei der ich Muffi-das-Auto in (eine andere, nicht der AdBlue-Tank) Reparatur gab und dafür einen Leihwagen erhielt. Der Leihwagen war nach 20km nicht mehr fahrbereit – wie sich herausstellen sollte, war die Hydraulikleitung der Kupplung geplatzt „weil ich bestimmt zu fest auf die Kupplung getreten bin“. Die Werkstatt war nicht mehr erreichbar, also begannen wir, den Wagen abzuschleppen, bei Dunkelheit und Starkregen. Nachdem das Abschleppseil gerissen war, gaben wir auf.
Im zweiten Quartal war ich das erste Mal auf Fuerteventura, für eine (wenn auch kinderlose) Woche, und die war großartig. Wir haben regelmäßige Mahlzeiten genossen, Porno-Esel kennengelernt, Minimuffi über die unwegsamste Strecke aller Zeiten bugsiert, den Atlantik per Jetski unsicher gemacht und am Strand fotografiert. Das war mein erster All-Inclusive-Urlaub überhaupt, und obgleich ich dem Konzept skeptisch gegenüberstand: auch das war großartig. Gewöhnungsbedürftig, aber großartig.
So sehr, dass wir, noch vor Ort, eine weitere Woche buchten: selber Ort, selbe Unterkunft, perfektes Zimmer (Mit Meerblick! Wir hatten sogar die Möglichkeit, es vor der Buchung anzuschauen!) – und zusammen mit den Kindern. Alle waren ganz aufgeregt und zählten ab jetzt rückwärts.
Glaskugel an einem schlecht zu erreichenden Strand auf Fuerteventura - die Farben! Die Farben! 🥰
Ebenfalls in diesem Quartal war meine im-Büro-vor-Ort-Woche in Hamburg inklusive Betriebsausflug – in einen Bunker, also genau meins. Ich freute mich, ich war schon so lange nicht mehr im Büro gewesen. Und noch toller war, dass es sich mit dem Wochenende, dem Treffen guter Freunde und einer faszinierenden Orgelführung in der Elphi verbinden ließ.
Aus Hamburg stammend und seither bei uns wohnend: „der depressive Reisebär“, Herr Bärt. Der hat, wie könnte es auch anders sein, inzwischen sein eigenes Mastodon-Profil, Reisekleidung, Unterwäsche, er ist ständig unterpommest, und er seufzt sehr, sehr viel.
Ich besuchte mit den Kindern Paderborn. K2 hatte es sich zur Aufgabe gemacht, auf der 400km langen Hinfahrt alle Windräder zu zählen – und machte ihrer Empörung („Was soll das?! Meinen die das ernst? DAS IST KINDERARBEIT!“) lautstark Luft, als wir B68 erreichten. 😂 Wir besuchten Libori und den Dom, sahen den Reliquienschrein mit den Gebeinen des Heiligen Liborius („War der wirklich so klein?“), zeigten uns angemessen andächtig am Drei-Hasen-Fenster und entdeckten eine gemeinsame Leidenschaft für Flammkuchen.
Das dritte Quartal – #endlichKüche
Wenn ich meiner Rechtschreibkorrektur schon das Wort „Reliquienschrein“ beibringen musste, sollte ich es direkt nochmal verwenden: der Liebste beendete einen aus seiner Sicht unhaltbaren Zustand und nahm mich offiziell auf in die „Church of Bosch“. 💚
Nach kurzer Zeit war diese Kiste dann nur noch „eine von vielen“, denn er brachte einen beachtlichen Teil seiner eigenen Reliquien ebenfalls mit. Dass die Kisten sich fein säuberlich stapeln lassen (Reliquienschrein!), war in der Tat extrem praktisch… Doch auch wenn es optisch wirkte, als habe jemand ein ersthaftes Suchtproblem, dessen er sich dringend annehmen sollte: wir würden praktisch jedes der Werkzeuge mindestens einmal benutzen.
Beleuchtete Reliquien auf dem täglich zu pflegenden Terrazzo-Boden - die Farben! Die Farben! 🥰
Denn eine erwartungsgemäß umfangreiche Aktion fand im dritten Quartal statt – Elektrogroßgeräte und Küchenmöbel wurden geliefert, und nun mussten wir alles irgendwie zusammenbauen und in einen Zustand bringen, den man als „Küche“ bezeichnen durfte. Das Zusammenbauen ging sogar noch ganz gut, immerhin hatte ich ja auch Waddle-Dee-Aufbau-Assistenten. Das mit dem Ausrichten und Finalisieren war die härtere Nuss, und ein paar Nickeligkeiten sind bis heute offen und würden eigentlich gerne mal erledigt werden… Kennt ihr vielleicht auch.
Aber die Küche war nun vorhanden, sie war nutzbar, und das ließen wir uns nicht zweimal sagen: es wurde eifrig gekocht und gebacken. Und sich nach und nach in die Bedienung der neuen Elektrogeräte eingearbeitet. 😎 Das ist, wie ich gerade feststelle, mit wenigen Zeilen beschrieben, fraß aber einen Großteil der Zeit dieses dritten Quartals. Uff.
Großes Glück hatten wir mit dem Fund eines neuen Küchentisches auf kleinanzeigen.de, nachdem ich fast drei Jahre lang erfolglos gesucht hatte. Deshalb steht hier nun ein grundsätzlich runder (da zweigeteilter), aus massiver heller Eiche gefertigter Tisch mit 1,20m Durchmesser, der sich durch Einlegeplatten auf die satte Länge von 3m bringen lässt. Eine Auftragsarbeit aus Belgien, und ich feiere ihn jeden Tag, wenn ich ihn sehe. Mein bisheriger Küchentisch – Nachkriegsmodell, von meiner Oma – hat seinen Weg in eine Studenten-WG gefunden und leistet dort weiterhin treue Dienste. Und auch das hat mich gefreut.
Ich besuchte die S2N, die heise-Konferenz für Storage, Server, Network und traf dort mehr bekannte Gesichter, als ich vermutet hätte. Ich war also tatsächlich noch einmal in diesem Jahr in Hamburg – wenn auch nicht allzu lange. Aber durch Zufall erlebte ich einen unfassbar krassen Sonnenuntergang an der Binnenalster, und der allein wäre die Reise schon wert gewesen!
Sonnenuntergang an der Binnenalster - die Farben! Die Farben! 🥰
Im Oktober hatte das Rückwärtszählen dann ein Ende: wir machten uns auf nach Baaaden Aiiirpaaark und in unseren – gefühlt überaus wohlverdienten – gemeinsamen Urlaub. Die Kinder zeigten sich entzückt von allem: den Zimmern, dem Buffet, den Pools, dem Wetter, dem Meer. K2, die sich zu einer leidenschaftlichen Fotografin entwickelt hat, schleppte ihren „Aperol Blitz“ mit sich herum und strahlte. K1 faszinierte mich mit ihren unfassbar ausgeprägten Englischkenntnissen, und neben den regelmäßigen ausgedehnten Mahlzeiten genoss sie auch das Bogenschießen in der Anlage sehr.
Erwartungsgemäß war die Woche viel zu schnell vorbei.
Und ab dann lief überhaupt nichts mehr wie geplant.
Das vierte Quartal – Vollbremsung
„Nicht wie geplant“ ist ja generell nicht zwingend negativ konnotiert. In diesem Fall ist es das aber, insgesamt betrachtet, eindeutig doch. Eine gewisse Zeit lang durfte ich in diesem vierten Quartal eine Idee davon bekommen, wie sich ein ausgeschlafenes, in sich ruhendes Leben anfühlen könnte. Und dieser Zeitraum war zwar nicht lang, aber doch lange genug, dass ich dieses Gefühl des „auf-Wolken-Schwebens“ nun täglich zutiefst vermisse.
Ich hatte, aller Vorsicht und Impfungen zum Trotz, meine erste Corona-Infektion. Sie war ganz und gar nicht die „Erkältung“, von der so oft behauptet wird, sie sei harmlos. Während der Infektion musste ich in die Klinik, Vollnarkose – auch das kann ich, zumal in der Kombination, nicht empfehlen. So gar nicht. Mit Ausläufern des Eingriffs kämpfte ich eine ganze Weile, mit denen der Corona-Infektion bis heute; unterm Strich kann ich nicht einschätzen, was wovon kommt und was wozu führte, es macht mich kirre. Und die Sorge, dass einige der Symptome auch in Zukunft Bestand haben könnten, ist ja leider nicht ganz unberechtigt.
Dabei war beides, Corona und Klinik, lediglich „on top“ dessen, was uns eigentlich aus der Bahn geworfen hat. Ich hätte da schon die eine oder andere Frage an das Schicksal, das ziemlich unfair kämpft und mit Schwung nachtritt, wenn man ohnehin schon am Boden liegt. Erfahrungsgemäß wird es keine Antworten geben; man kann nur versuchen zu akzeptieren, was doch eigentlich nicht zu akzeptieren ist. Es in die eigene Biografie integrieren und lernen, damit zurechtzukommen. Damit starten wir ins neue Jahr.
Tja. Was noch?
Es war das Jahr der Wackelaugen, Kneipp-Duschgels, Mozart-ihm-seine-Schwester-Kugeln und Pommes. Ein Jahr voller Eiswürfel, Zen-Gärten, Lakritze und Erwähnungen von „Achtsamkeit“. Ein Jahr mit zu laut raschelnder Kleidung, zu hellen Lichtern, zu intensiven Gerüchen, zu lauten Geräuschen. Es war anstrengend, abwechslungsreich, lebensverändernd. Das fulminante Finale macht es leider zu einem Jahr, das auch in überaus schmerzhafter Erinnerung bleiben wird.
Im Job habe ich, neben dem „daily business“, immerhin ein großes Projekt umgesetzt, nämlich Aufbau und Inbetriebnahme eines neuen Ceph-Clusters, eines neuen Proxmox-Clusters und Umzug aller Daten vom alten ins neue System. Die Abschaltung des alten Systems erfolgte wie geplant im Dezember. Damit ist ein großer und unerfreulicher Klotz vom Tisch. Ich bin überaus gespannt, was das neue Jahr in Sachen Job so bringen wird.
Neujahrsvorsätze habe ich keine. Aber ich will die Zukunft konkreter angehen. Es ist so dumm, Zeit zu verschwenden, dazu ist sie einfach zu kostbar… Mit unzureichend geladenen Akkus Umstrukturierungen anzugehen, ist jedoch schwierig. Andererseits… würden jene Umstrukturierungen mir ja vielleicht Energie und Ruhe schenken, wären sie erst erfolgt? Wo anfangen, wie weitermachen?
Rutscht gut, wo auch immer ihr rutscht!
Wir lesen uns 2025.
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